Veggie-Woche

„Von zuständiger Seite wird uns geschrieben: Das Thüringische Landesfleischamt hat eine fleischlose Woche angeordnet, da es nicht mehr möglich ist, die Zivilbevölkerung ausreichend mit frischem Fleisch zu versorgen. Es werden aber andere eiweißhaltige Nährmittel geliefert und zwar pro Kopf der Fleischkartenempfänger 175 g Hülsenfrüchte und 100 g Graupen. Kinder unter 6 Jahren erhalten die Hälfte der vorerwähnten Mengen. Leider ist es nicht möglich gewesen, die zugesagten Heringe infolge der Transportschwierigkeiten rechtzeitig heranzubekommen, sie werden aber auf jeden Fall nachgeliefert. Die Ausgabe der Nährmittel erfolgt auf Wochenabschnitt 21.-27. April der Fleischkarte.“

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Begehrte Bienen

„Wie begehrt Bienenvölker jetzt sind, zeigt folgender Vorgang: Ein Imker in Langenorla hatte seinen großen Bienenstand in einer Leipziger Zeitung zum Verkauf ausgeboten. Darauf erhielt er nicht weniger als 5 Depeschen, 324 Eil- und andere Briefe, sowie Postkarten und zahlreiche sonstige Anfragen. Keinem der zahlreichen Reflektanten [Anm.: Interessenten] konnten aber die Bienenvölker verkauft werden, weil sie von einem Liebhaber aus der Nähe noch selbst abgeholt wurden. Und das alles trotz des schier fabelhaften Preises von 200 Mk. je Bienenvolk.“

Gefährliches Vergnügen

„Immer wieder muss die Unart mancher Kinder, sich an Geschirre und neuerdings auch an Kraftwagen anzuhängen, gerügt werden. Ein solches ‚Vergnügen‘ ist, da es stets mit großer Gefahr verbunden ist, recht zweifelhafter Natur, zudem sind dadurch schon viele Unglücksfälle passiert. Auch jetzt zogen sich wieder zwei Knaben Verletzungen bei Ausübung dieser Unsitte zu. Sie hatten sich, ohne daß es vom Führer bemerkt worden war, in der Bismarckstraße an einen Personenkraftwagen gehängt und fuhren ein Stück mit. Beim Abspringen am Ausgang der Stadt zog sich der eine schwere Verletzungen im Gesicht zu, der andere wurde so stark geprellt, daß er sich kaum erheben und nicht gehen konnte. Alle Eltern sollten deshalb im eigenen Interesse ihre Kinder eindringlich warnen, dieser Unsitte zu frönen.“

Ziegenwurst aus Pferdefleisch

„Alle markenfreien Würste bestehen aus Pferdefleisch, das hat das sächsische Kriegswucheramt festgestellt. Seit Januar d. J. sind auf Veranlassung des sächsischen Kriegswucheramtes im ganzen Lande einheitlich Preisprüfungen und chemische Untersuchungen der in großen Mengen auf den Markt gekommenen Ersatzwurstwaren vorgenommen worden. In Frage kommen die ohne Bezeichnung oder die unter dem Namen Frühstückswurst, Zervelatwurst, Jagdwurst, Leberwurst, Regensburger, Frankfurter, Brühwürstchen, Ziegen-, Kaninchen-, Geflügelwurst und dergleichen in den Handel gebrachten Wurstwaren. Nach den chemischen Untersuchungen hat es sich in den allermeisten Fällen um Würste gehandelt, die aus Pferdefleisch hergestellt, oder die von den zuständigen Ersatzmittelstellen nicht genehmigt waren. […] Zahlreiche Strafanzeigen, insbesondere gegen die Hersteller, sind erfolgt. In den meisten Fällen hat man zunächst noch von Erstattung von Strafanzeigen abgesehen, aber scharf verwarnt. Daß mit den Bezeichnungen Ziegen- und Geflügelwurst eine unerhörte Täuschung im ganzen Reiche getrieben wurde, war seit langem offenbar. Wo sollten plötzlich beispielsweise alle die Ziegen hergekommen sein, die das Fleisch für die zweifelhaften Würste geliefert hätten. Vielleicht hätten alle Ziegen der Welt nicht ausgereicht, um das Massenangebot zu erklären. Möglicherweise ist Pferdefleisch an und für sich nicht geringer, aber wer in Zukunft noch irgend eine Ersatzwurst verspeist, weiß nun wenigstens, was er zu sich nimmt.“

Abschaffung Telefon-Flatrate

„Fünfpfennigtarif für Telephongespräche? Im Reichspostamt finden, wie berichtet wird, gegenwärtig Besprechungen über Veränderungen im Fernsprechwesen statt, die zum Teil von weitreichender Bedeutung sind. Ein für die Gesamtheit der Fernsprechteilnehmer wenig erfreulicher Vorschlag ist der, von dem System des Telephonabonnements abzugehen und dafür den Fünfpfennigtarif für jedes Gespräch einzusetzen. Man ist an den zuständigen Stellen im Allgemeinen der Ansicht, daß viel zu viel gesprochen und das Telephon von seinen Besitzern weit über Gebühr in Anspruch genommen wird. So hofft man, auf diese Weise den Fernsprechverkehr einzudämmen und die Fernsprechämter erhalten zu können. Vorläufig sind jedoch über diese Frage die Verhandlungen noch vollkommen in der Schwebe.“

Neuerungen im Volksschulwesen

„Eine Verordnung der prov. Regierung bestimmt bis zur gesetzlichen Neuregelung des Volksschulwesens u.a. folgendes. Bei Anordnung und Ueberwachung des Religionsunterrichtes steht der kirchlichen Behörde ein Recht der Mitwirkung nicht mehr zu. Die Verpflichtung des Lehrers zur Verrichtung kirchlicher Dienste fällt vom 1. Oktober 1919 ab weg. Von demselben Zeitpunkt ab sind aus den Besoldungstabellen der Lehrer die Besoldungsstücke kirchlichen Ursprungs auszuschreiben und den örtlichen Kirchkassen zu überweisen. Von Ostern ab darf in den Volksschulen und pflichtmäßigen Fortbildungsschulen kein Schulgeld erhoben werden. Inwieweit den Schulgemeinden für den Ausfall von Schulgeld Ersatz aus der Staatskasse zu leisten ist, bleibt der gesetzlichen Regelung über die Tragung der öffentlichen Schullasten vorbehalten. Der Unterschied zwischen ersten und zweiten Bürgerschulen ist von Ostern 1919 ab aufgehoben. Die Neuaufnahmen sind alsbald hiernach vorzunehmen. Der Abbau der Vorschulen ist von Ostern 1920 ab durchzuführen.“