Kaninchenhaltung angeraten

„Ueber die fleischlosen Wochen kann sich jedermann leicht hinweghelfen, wenn er sich entschließt, Kaninchen zu halten. Jungtiere sind zu verhältnismäßig billigen Preisen zu erstehen und mit Küchenabfällen und etwas Grünfutter ohne große Mühle aufzuziehen. Mit 2 Zuchthäsinnen kann sich eine Familie von 4 Köpfen innerhalb eines Jahres sogar soviel Fleisch selbst beschaffen, als ihr auf Marken zugewiesen wird. Es sollte deshalb jetzt niemand versäumen, der Kaninchenhaltung sein Augenmerk zuzuwenden. Die Futternot verbietet zwar eine Zucht in großem Maßstabe. Die Kleinzucht für den Bedarf des eignen Haushaltes aber ist ohne erhebliche Futterschwierigkeiten durchzuführen und deshalb jedermann dringend zu empfehlen.“

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Neustädter als Professor in Freiburg

„Eine sehr ehrenvolle Berufung hat jetzt ein geborner Neustädter erhalten. Hr. Dr.-Ing, Friedrich Franz Kögler aus Berlin (ältester Sohn der Frau verw. Schmiedemeister Kögler, geb. Weisker, hier) ist als ordentlicher Professor für technische Mechanik und Baukonstruktionslehre vom 1. August 1918 ab an die Kgl. Bergakademie zu Freiberg (Sachsen) berufen worden.“

Salzbäder für kränkliche Kinder

„Auch in diesem Jahre sind an kränkliche und schwächliche Kinder hiesiger Stadt, wie schon früher, Salzbäder verabreicht worden. Vor 8 Tagen war die Badeperiode in Carlsohns Anstalt [Anm.: heutige August-Bebel-Straße 2] beendet. Diese Stärkung konnten 90 Kinder durch 1275 Bäder genießen. Dies war möglich infolge einer Stiftung. Der hiesige Frauenverein spendete Haferflocken, Herr Hennig lieferte wieder das Badesalz unentgeltlich und die Stadtgemeinde Semmeln für diese Kinder. Junge Damen stellten sich, neben unserer unermüdlichen Gemeindeschwester, freiwillig in den Dienst der Kinderpflege. Allen, welche sich um die edle Veranstaltung Verdienst erworben, sei öffentlicher Dank gezollt. Mögen sich aber auch die Kinder und deren Eltern jetzt und später dieser edlen Tat erinnern.“

Flegel am Werk

„Gemeine Flegel haben in einer der letzten Nächte in einem nahe der Heinrichsruhe gelegenen Garten, den der Besitzer unter Aufwendung großen Fleißes und erheblicher Kosten in schönen Stand gesetzt hat, sieben Stück mit Früchten besetzte Stachelbeerhochsträucher umgebrochen. Für derartigen Unfug wäre eine gehörige Tracht Prügel wirklich am Platze.“

Klee gemopst

„Die Stehlerei von Gras und anderm Futter hat heuer einen Umfang angenommen, wie er seit Menschengedenken nicht da war. Man konnte bei der ohnedies spärlich ausfallenden Ernte beobachten, wie sich Leute nicht scheuten, bei hellem, lichten Tage auf Wiesen das gemähte Gras zusammenzuraffen und davonzueilen oder auch das aufstehende Gras abzurupfen. Unsere Flurschutzbeamten sind Tag und Nacht tüchtig auf dem Posten, können aber leider auch nicht überall zu gleicher Zeit sein. In der Mitternachtsstunde vom letzten Sonnabend zu Sonntag gelang es einem von ihnen wieder, einen älteren hiesigen Einwohner zu stellen, der mit einem gefüllten Sack Klee, den er auf einem Acker an der Krautgasse gemopst hatte, seiner Wohnung zustrebte. Er brauchte sich nicht weiter damit zu schleppen, in zuvorkommendster Weise wurde er seiner Last entledigt und der Klee seinem rechtmäßigen Eigentümer zugestellt.“

Sonntags keine Beeren pflücken

„In den Waldungen des V. Verwaltungsbezirks wird das Einsammeln von Waldbeeren u. Früchten wie folgt gestattet: Für Heidelbeeren vom 10. Juli d. J. ab, für Himbeeren vom 20. Juli d. J. ab, für Preißelbeeren vom 15. August d. J. ab, für Haselnüsse vom 15. September d. J. ab. Das Einsammeln darf nur Wochentags von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends erfolgen. Auch das Kämmen der Beeren ist verboten. Übertretungen werden, soweit nicht höhere Strafen verwirkt sind, mit 2 Mk. oder 1 Tag Haft und Einziehung der Beeren geahndet. Die Gemeindevorstände haben Vorstehendes ortsüblich bekannt zu machen.
Neustadt an der Orla, den 1. Juli 1918
Der Großherzogl. Sächs. Direktor des V. Verwaltungsbezirks“

Anm.: In einer weiteren Bekanntmachung, veröffentlicht am 12. Juli, korrigiert der Bezirksdirektor und gestattet das Sammeln auch an Sonntagen.

Rosenblätter als Rauchtabak

„Seit der echte Tabak immer knapper geworden ist und der Raucher sich mit einem Ersatz begnügen muß, der nichts weniger als angenehm durftet und bei dem oft dem stärksten Mann übel wird, ist das Ausschauhalten nach geeigneten Tabakstreckmitteln eine wichtige Aufgabe für jeden Raucher. Da jetzt gerade die Rosen in schönstem Flor stehen, sei daran erinnert, daß die Blätter der verblühten Rosen noch einen verhältnismäßig guten Ersatz bieten. Man sammelt sie und trocknet sie auf einem Bogen Papier in der Sonne, was sehr rasch von statten geht, und die Sache ist fertig. Mit etwas trockenem Buchenlaub gemischt und ein paar Krümeln echten Tabaks dazwischen bietet er einen, wenn auch bescheidenen, so doch sauberen Rauchgenuß. Man weiß wenigstens, was man raucht. Bei dem Tabakersatz ist dies leider nicht der Fall. Das Rezept stammt übrigens noch aus der Friedenszeit, die Rosenblätter zählen demnach mit zu den besten Streckungsmitteln.“