Schonung des Schuhwerks

„In dieser Zeit der Lederknappheit ist es doppelt angebracht, unseren Stiefeln die sorgfältigste Behandlung angedeihen zu lassen und jede Beschädigung zu vermeiden. So pflegen manche Leute, worauf von sachverständiger Seite hingewiesen wird, es meistens zu wenig zu beachten, ob beim Anziehen von Knopf- und Schnürschuhen der Schuh auch ganz geöffnet ist. Eine bekannte Untugend ist es, abgerissene Schnürsenkel zusammenzuknoten. Um den Fuß in einen derartigen Schuh hineinzubekommen, ist natürlich ein Zwang notwendig. Dadurch wird das Innenfutter zerrissen, und die Lederkappe liegt frei und offen da. Natürlich wird hierdurch die Strumpfferse durchgescheuert, was mitunter empfindliche Schmerzen zur Folge hat. Bei den Schwierigkeiten, die sich jetzt der Ausbesserung unserer Stiefel entgegenstellen, erscheint es wohl angebracht, diesen Wink zu beachten.“

Ungeklärter Einsturz

„Gestern vormittag stürzte plötzlich die südwestliche Giebelwand des Südflügels des Jäger’schen Eisengießereigebäudes ein. Dabei fielen die Stein- und Eisenmassen auf den von der Triptisser Straße nach dem Bahnhofe führenden Fußweg, sodaß dieser gesperrt werden mußte. Welche Ursachen den Einsturz herbeiführten, ist noch nicht aufgeklärt. In dem betr. Raume waren eine große Anzahl Granaten aufbewahrt.“

Klingel fürs Vaterland

„Von den Glocken unsrer Stadtkirche fällt bloß die kleinste, die sogen. Klingel, die täglich bisher nachmittags 3 Uhr ihre Stimme erschallen ließ, der Beschlagnahme für Kriegszwecke zum Opfer. Die drei größeren Glocken sind von kunstgeschichtlichem Werte und werden deshalb bis auf weiteres in der Glockenstube verbleiben, um ihren Dienst weiter zu verrichten. Auch die beiden Glocken der Hospitalkirche werden an ihrem Orte bleiben. Dagegen werden die zinnernen Orgelpfeifen aus der Stadtkirche und der Hospitalkirche entfernt, um als eingeschmolzene Masse in den Dienst des Vaterlandes zu treten. Ihr Verschwinden wird aber nicht sehr ins Gewicht fallen, da sie bis auf einige in der Hospitalkirche sämtlich stumm sind, also nicht mit dem Orgelwerk in Verbindung stehen, sondern nur als äußerlicher Schmuck angebracht sind.“

Große Glocke in der Stadtkirche St. Johannis 1928 (Fotosammlung Dr. Ehrlicher)

Nachtrag im Kreisboten am 29. Juni: „Von der kleinsten Glocke unsres Stadtkirchturmgeläuts nahm man bisher immer an, daß sie außer einigen Linien keine weitere Verzierung aufweise. Erst gestern nach der Abnahme bemerkte Hr. Sup. Pühn, daß an der Glocke sich ein Bildwerk befindet, das anscheinend die heilige Maria darstellt. Das Bild ist aber nicht erhaben, wie der Zierat an den meisten Glocken, angebracht, sondern es macht den Eindruck, als ob es eingraviert wäre. Uebrigens läßt sich mit Bestimmtheit annehmen, daß die Klingel‘ die älteste Glocke unsres Geläuts war.“

Zitronensaft gegen wunde Füße

„Als bestes Mittel gegen wundgelaufene Füße wird empfohlen, Zitronensaft auf die brennende Stelle zu träufeln und vor dem Schlafengehen dünne Zitronenscheibchen zwischen die entzündeten Zehen zu legen. Die Wirkung der frischen Zitronen soll viel besser sein als alle Salben, Fette und Tinkturen! Mit einer Zitrone kann man acht bis zehn Tage reichen. Aber man soll nicht den käuflichen, ausgepreßten Saft verwenden, der häufig mit Präservativstoffen versetzt wird.“

Knapp bei Kasse

Aus der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 1. Juni:

„[…] 12. Die Stadt hatte 10000 Stück 50-Pfg.-Scheine herstellen lassen. Diese sind inzwischen verausgabt, aber die Nachfrage ist noch immer erheblich, sodaß der Stadtkämmerer ersucht, noch eine Anzahl anfertigen zu lassen. […] Es wird deshalb beschlossen, noch 10000 Stück 50-Pfg.-Scheine anfertigen und zur Ausgabe bringen zu lassen.“

Schöne Aussichten an Pfingsten

„Eine prachtvolle Aussicht genießt man bekanntlich von dem auf dem Kesselberg belegenen Bismarckturm aus. In letzter Zeit ist eine Neuerung insofern eingetreten, als auf dem Turm Richtungslinien zur Bestimmung des Geländes angebracht worden sind, die eine bessere Zurechtfindung über alle wichtigeren Punkte, die das Auge wahrnimmt, ermöglichen. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß der Turm an allen drei Pfingstfeiertagen geöffnet sein wird. Da aller Wahrscheinlichkeit nach die Festtage von heiterem Wetter, das eine gute Fernsicht bietet, begünstigt sein werden, so wird sich eine Umschau in die neuerwachte Natur ganz besonders lohnen.“

Entwurfszeichnungen für den Bau eines Bismarckturmes, angefertigt vom städtischen Baubeamten Alwin Pechstädt im Mai 1899 (Stadtarchiv, Akte 1480)