Fliegende Röcke

„Zur gestrigen Fastnacht nahm ein Teil der hiesigen Schuljugend wieder die frühere Gepflogenheit auf, allerlei Mummenschanz zu treiben. Eine Anzahl Knaben hatte sich mit weiblicher Kleidung versehen und marschierten stolz am Arm eines Altersgenossen einher. Natürlich zog stets ein Schwarm Kinder fröhlich hinter den Maskierten her. Am possierlichsten sah es aus, wenn so ein kleines ‚Weibchen‘, um sich der Neugier größerer Jungen, wer unter der Maske steckte, zu entziehen, die Flucht ergriff, da flogen die Röcke nur so. Man kann den Kindern den harmlosen Spaß gern gönnen.“

Metallarbeiterstreik

„In den hiesigen Betrieben, welche Metallarbeiter beschäftigen, sind diese heute früh in den Streik getreten. Sie hatten zudem zurzeit 2 Mark betragenden Stundenlohn einen Zuschlag von 50 Prozent verlangt, sodaß der Stundenlohn 3 Mark betragen würde. Der angerufene Schlichtungsausschuß hatte sich für einen 30prozentigen Zuschlag (das entspricht einem Stundenlohn von 2.60 M.) entschieden. Dieser Entscheid ist aber von den Metallarbeitern nicht angenommen worden, sie sind vielmehr in den Streik eingetreten.“

Elektrische Energie

„Die Versorgung Neustadts mit elektrischer Energie wird in absehbarer Zeit zur Tatsache werden. Der Beschluß auf Zuführung von Elektrizität wurde vom Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig gefaßt. Das wird von vielen Gewerbetreibenden und Haushaltungen mit Freude begrüßt werden. Die Arbeiten, die mit dem Bau der Stromleitung von Auma nach Wüstenwetzdorf beginnen, werden in den nächsten Tagen in Angriff genommen und nach Möglichkeit beschleunigt werden. Man einigte sich auf einen Stromlieferungsvertrag, d. h. die Stadt bezieht vom Kraftwerk Sachsen-Thüringen elektrische Energie in Form von Drehstrom, den sie als Unternehmerin wieder abgibt. Die Orte Arnshaugk und Börthen und vielleicht später auch Molbitz werden in das städtische Stromnetz eingeschlossen. […] Die gesamten Baukosten sind auf 600000 Mk. veranschlagt, doch hat man vorsichtigerweise gleich mit einem 25proz. Zuschlag gerechnet. Es soll deshalb eine Summe bis zu 750000 als Darlehn aufgenommen werden. […]“

Begehrte Maulwurffellchen

„Auf den Maulwurf wird zurzeit eifrig Jagd gemacht. Tagtäglich sieht man Kinder und auch Erwachsene mit Hacken in der Flur herumstreifen, die den kleinen Erdwühler nachstellen. Das samtweiche Fellchen des kleinen schwarzen Gesellen wird jetzt neben dem Pelzwerk anderer Tierarten von der Mode stark begehrt und es werden dafür fabelhafte Preise bezahlt, die man vor einigen Jahren noch für ganz unmöglich gehalten haben würde. Wenn die großen und kleinen Maulwurfjäger bei ihrem Streifen vom Glück begünstigt sind, so erwächst ihnen ein recht ansehnlicher Nebenverdienst.“

Am 26. Februar wurde im Kreisboten vermeldet: „Die Preise für Maulwurfsfelle haben einen großen Sturz erlitten. Nachdem noch in den letzten Tagen bis 25 Mk. und darüber bezahlt wurde, sind sie jetzt auf 5 Mk. für das Stück gesunken. Die Ursache des plötzlichen gewaltigen Rückganges ist darin zu suchen, daß Amerika, das bisher der Hauptabnehmer war, keine Felle mehr kauft.“

Fleischversorgung in Thüringen

„Nach einer Mitteilung des Thüringer Landesfleischamtes ist die Versorgung der Bevölkerung für die Monate Februar, März und April d. J. mit Fleisch sichergestellt. Es entfallen auf den Kopf der Bevölkerung über 6 Jahre alt wie bisher wöchentlich 125 Gramm, für Kinder unter 6 Jahre die Hälfte. In dem angegebenen Zeitraum sind drei Wochen frischfleischlos. Zum Ausgleich wird aber Auslandsfleisch geliefert. Die Termine der frischfleischlosen Wochen lassen sich im Voraus nicht bestimmen. Ihre Festsetzung hängt von dem rechtzeitigen vollständigen Eingang der Auslandsfleischmengen ab.“

Pferde für den Frieden

„Der Herr Bezirksdirektor schreibt uns: Durch die Ablieferung erheblicher Mengen von Pferden, Rindern und anderen Haustieren zur Erfüllung der Friedensbedingungen wird die Volkswirtschaft hart betroffen. Die Musterung der zur Ablieferung für den Feindbund bestimmten Pferde wird Ende des Monats beginnen. Alle Dienststellen sind sich völlig bewußt, daß die durch die Ablieferung bedingten Eingriffe in das persönliche Eigentum besonders schwer und bitter empfunden und möglicherweise auf Widerstand stoßen werden. Die Tierbesitzer des Bezirks bitte ich die neue Last mit Ruhe hinzunehmen, da es unsere ernsteste Pflicht ist, die drückenden Bedingungen nach Möglichkeit zu erfüllen, um das Vaterland vor noch schwereren zu bewahren. Ich bitte die den Kommissionen und Tierärzten aufgezwungene schwierige Aufgabe in jeder Weise zu erleichtern und ihnen keinen Widerstand entgegenzusetzen. Die Abgabe muß unter allen Umständen erfolgen, die Schwierigkeiten müssen ertragen und überwunden werden. Jeder nur irgend bei der Sachlage möglichen Schonung können die Tierbesitzer versichert sein.“

Bleib gesund, lass die Zunge im Mund

„Nachdem die Briefmarken jetzt vielfach zum Zahlungsmittel geworden sind, durch alle möglichen Hände gehen und mit schmutzigem Papiergeld zusammen in wer weiß was für Geldtäschchen liegen, dürfen sie keinesfalls mit der Zunge befeuchtet werden, denn es können auf diese Weise die schlimmsten Krankheiten übertragen werden: Syphilis, Tuberkulose, Grippe und andere.“