Was sind 14,5 Milliarden?

„Sie sind dasselbe wie 14500 Millionen. In gemünztem Gelde dargestellt, ergeben sie eine ungeheure Menge und zwar in Gold die Kleinigkeit von 5 800 000 Kilogramm. Würde man aber gar das glänzende Ergebnis in Silber ausmünzen, so würden die Milliarden, in Marktstücken aufgestapelt, eine Säule von 9475 Kilometer ergeben; das wär also fast der Meridianquadrant. Zum Transport müßten 7250 Eisenbahnwagen benötigt werden. Wenn aber Herr Havenstein die eingegangenen Zeichnungsbeträge eigenhändig in gemünztem Gelde zählen wollte und dabei eine Geschicklichkeit hätte, daß ihm in der Sekunde 5 Markstücke durch die Finger glitten, so hätte er ununterbrochen 91 Jahre und 10 Monate Tag und Nacht zu zählen.“

Anm.: Die achte deutsche Kriegsanleihe erbrachte über 14,5 Milliarden Mark. Rudolf Havenstein war Präsident der Reichsbank.

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Grimmbart April

„Der April kann seine Mucken nicht lassen, er muß die Menschheit immer wieder daran erinnern, daß er Veränderung liebt. Nachdem er bisher mit Sonnenschein und warmem Wetter aufgewartet hat, verfällt er auf einmal wieder in sein Erbübel und kehrt den ungenießbaren Grimmbart heraus, schickt kaltes Wetter und Schnee. Hoffentlich treibt er’s nicht zu arg, es wäre jammerschade, wenn die Blütenpracht der Birn- und Steinobstbäume durch die rauhe Witterung geschädigt oder gar vernichtet würde. Der erfrischende Regen, der die kühle Witterung einleitete, war allerdings für Felder, Wiesen und Gärten von größtem Nutzen.“

Hoftheater nur noch für Vollzahler

„Nachdem die infolge des Krieges eingetretenen großen Betriebsschwierigkeiten bekanntlich bereits dazu genötigt haben, einschneidende Tarifmaßregeln zur Eindämmung des Personenverkehrs zu treffen, hat es sich nunmehr auch erforderlich erwiesen, die aus früherer Zeit überkommene Einrichtung der Ausgabe ermäßigter Fahrkarten zum Besuche des Hoftheaters in Weimar zu beseitigen. Vom 1. April d. J. ab werden deshalb derartige Fahrkarten nicht mehr ausgegeben.“

Eröffnung Strumpf-Klinik

„(Einges.) Eine Hilfe für unsere Hausfrauen. Die Schwierigkeiten auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens werden mit der längeren Kriegsdauer immer größer. Besonders im Haushalt weiß die Frau oft nicht, wie sie den veränderten Verhältnissen Rechnung tragen soll. Um nur ein Beispiel anzuführen: da liegen Haufen zerrissener Strümpfe zu Hause; es fehlt die alte gute Wolle zum Ausbessern, und wenn ja hie und da noch ein Knäuel vorhanden ist, da fehlt’s wieder an fleißigen Händen zum Reparieren. Neue Strümpfe gibt’s nur nach großen Schwierigkeiten von der Bezugsscheinstelle, und hat man sich dann wirklich für teures Geld ein paar erobert, so weiß jede Hausfrau nur zu gut, von welcher Güte dieselben heutzutage sind. Endlich aber winkt der Hausfrau ein Ausweg, um ihre zerrissenen Strümpfe in vorzüglich ausgebesserte Ware zu verwandeln. […] Nach einer gesetzlich geschützten und seit vier Monaten in vielen Städten Deutschlands hervorragend bewährten Methode werden die zerrissenen Strümpfe auf Spezialmaschinen aus sich selbst heraus tadellos hergestellt und sind dann von neuer Ware kaum zu unterscheiden. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um wollene, baumwollene oder seidene handelt, ob um dicke, dünne oder durchbrochene. Selbst zu Halbschuhen lassen sich die so reparierten Strümpfe tragen. […] Der Wiederherstellungspreis ist dabei ein angemessener, sodaß man von einer wirklich guten Hilfe für die Hausfrau reden kann. Auch bei uns in Neustadt a. O. ist jetzt Gelegenheit geboten, diese hilfreiche Neuerung zu benutzen. Wir empfehlen daher unseren Lesern die Beachtung des heutigen diesbezüglichen Inserates.“

Baumschule im Siechenbachtal

Aus der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 22. März:

„9.[…] Auf Vorschlag des Bauamts soll im Siechenbachtale unterhalb der Eisenbahnbrücke eine Baumschule errichtet werden, in die die Pflaumenschößlinge aus den Obstanpflanzungen der Stadt versetzt werden sollen. Die Arbeiten sind zum Teil schon ausgeführt worden. Der Finanzausschuß hat die einzelnen Plätze, die zu diesem Zweck in Frage kommen könnten, besichtigt. Am besten würde sich ein Teil des Feldgrundstücks unterhalb des städtischen Bauhofes eignen. Beschlossen wird, auf diesem Platz im Herbst eine Baumschule anzulegen, ferner den Gemüseplatz im Kastengarten dem Baubeamten weiter zu belassen, so lange ihn die Stadt selbst nicht braucht […].“

25 Jahre Kochschule

„Am Donnerstag nachmittag fand in der Kochschule eine einfache Feier statt, es wurde des 25jährigen Bestehens dieser Anstalt gedacht. Mit Gesang der Schülerinnen beginnend, sprach Herr Superintendent Pühn über den Werdegang der Kochschule, besonders der Lehrerinnen derselben gedenkend: Frl. Gast, Frl. Hotzel, Frl. Rößler und Frau Organist Nicolai, welch letztere 19 Jahre lang den Unterricht geleitet. Besonderen Dank wurde der hiesigen Sparkasse gespendet, welche jedes Jahr der Anstalt nicht unbedeutende Opfer gebracht. […] Anwesend waren außer einer Anzahl Damen des Frauenvereins, Frau Bezirksdirektor, Geheimrat Stichling, als Vorsitzende des Frauenvereins Frau Superintendent Pühn, als jetzige Leiterin Frau verw. Superintendent Rüdel aus Weimar, Herr Bezirksschulinspektor Großkopf, Herr Rektor Gerstung und Herr Bürgermeisterstellvertreter Krahner. Mit Gesang wurde die schlichte Feier geschlossen. Möge die Anstalt weiter zum Segen gedeihen.“

Anm.: Im April 1893 hatte der Frauenverein in den unteren Räumen des Mädchenschulgebäudes (spätere Lessingschule) eine Kochschule für Schulmädchen eröffnet, die fünf Jahre später in die Bürgerschule(heutiges Gymnasium) verlegt wurde.

Quittungssteuer auch bei Privatverkäufen

„Unter Hinweis auf die heutige Bekanntmachung des Zollamtes sei auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß für Verkäufe von beweglichen Gegenständen zum Preise von mehr als 100 Mk., die außerhalb eines inländischen Gewerbebetriebes erfolgen, die Quittungssteuer mit je 10 Pfg. für volle hundert Mark zu entrichten ist. Von Gewerbetreibenden ist diese Steuer zu entrichten bei Verkäufen von Waren außerhalb ihres Geschäftszweiges, z. B. wenn ein Tuch- oder Lederfabrikant ein Privatautomobil, ein Kutschpferd, Obst, Bäume, Gras aus seinem Garten, Ertrag seiner Jagd usw. verkauft. Privatleute müssen jeden Verkauf über 100 Mk. versteuern, z. B. den Verkauf von Möbeln, Kleidungsstücken, Obst, Gras, Hunden, Pferden und sonstigen Tieren, Honig, Blitzableitern, Erbschaftsgegenständen usw. Ueber den Empfang des Geldes ist eine Quittung zu erteilen und diese mit einer bei der Post käuflichen Umsatzstempelmarke zu bekleben. Die Marke ist zu entwerten. Nähere Auskunft erteilt das Zollamt.“