Winterererwachen

„Heute ist Frühlings Anfang! Das heißt, nur im Kalender, in der Natur schauts wie Winters Anfang aus. Nachdem wir einige Tage milderes Wetter hatten, das mit dem Schnee schnell aufzuräumen begann und die Hoffnung erweckte, daß die Macht des Winters, der sich lange als richtiger Isegrimm betragen hatte, endgültig gebrochen sei, war heute morgen wieder die schönste Schneelandschaft fertig. Der Wind, der gestern aus Westen blies, ist in der Nacht nach Norden und im Laufe des Tages nach Nordosten umgesprungen. Demnach scheint uns noch kalte Witterung bevorzustehen, auch das Steigen des Wetterglases läßt diesen Schluß zu.“

Doppelt netter Gaswerksdirektor

„Die Thüringer Gasgesellschaft hat dem Leiter ihres hiesigen Gaswerks, Hrn. Hartung, auch die Leitung der von ihr erpachteten Gasanstalt in Triptis übertragen und ihn zum Direktor ernannt. Wir sprechen Hrn. Hartung, den freundliches, entgegenkommendes Wesen in seiner Geschäftsführung auszeichnet und der sich infolgedessen hier allgemeiner Beliebtheit erfreut, unsern herzlichen Glückwunsch zu der ehrenvollen Ernennung aus.“

Der Gaswerksdirektor August Hartung war der Vater des bekannten Schauspielers, Dramaturgen und Schriftstellers Hugo Hartung. Die Familie zog 1909 aus dem Vogtland nach Neustadt. Sie bewohnte das Beamtenwohngebäude, das im Zuge der Errichtung der Gasanstalt 1891 erbaut wurde. Eine Tafel am Haus (heutige Hugo-Hartung-Straße 1) erinnert noch an die bekannten und beliebten Bewohner.

Blick auf das Gas- und Elektrizitätswerk, rechts das Beamtenwohngebäude, 26.5.1930 (Stadtarchiv, Fotosammlung Dr. Ehrlicher)

Kein Trinkzwang in den Gastwirtschaften

„Das Rundschreiben des Kriegsernährungsamtes gegen den Trinkzwang hatte den Vorsitzenden des Deutschen Gastwirteverbandes zu einer Besprechung mit dem Amt veranlaßt. Direktor v. Oppen erklärte, daß das Kriegsernährungsamt auf Beseitigung des Trinkzwanges bestehen müsse. Der Verbandsvorsitzende äußerste darauf, daß der Reichsverband deutscher Gastwirtsverbände den Verbändlern die Weisung zugehen lassen werde, einen Trinkzwang in keiner Weise auszuüben und die darauf bezüglichen Vermerke auf den Speisekarten zu streichen. Es werde sich allerdings als Folge dieser Maßregel eine Erhöhung der Preise für das Essen nicht oder doch nur selten umgehen lassen. […]“

(Geld-)Hungrige Auswärtige

„Die herrschende Lebensmittelknappheit hat es mit sich gebracht, daß, wie es in andern Bezirken auch geschieht, die Stadt und die ganze Umgegend von Männern und Frauen von auswärts heimgesucht wird, die ohne Marken Brot, Mehl, Gebäck usw. anzukaufen suchen. Die Leute sind vorwiegend aus dem Zwickauer Industriegebiet. Besonders Sonnabends und Sonntags kommen sie in ganzen Scharen mit den Zügen hier und auf den benachbarten Haltestellen an. Unter herzbewegenden Klagen über Hunger, den sie mit ihren Familie zu leiden vorgeben, versuchen sie es, bei Bäckern und Landleuten Mitleid zu erwecken. Andrerseits locken die Verkäufer mitunter auch die hohen, die festgesetzten Höchstpreise weit übersteigenden Preise, die von den Fremden geboten und bezahlt werden. Auf diese Weise findet sich immer etwas Verkäufliches. Die Gendarmerie und unsere Schutzmannschaft bekamen aber bald Wind von der Sache und sind deshalb tüchtig auf dem Posten. Es vergeht keine Woche, in der nicht mehrmals Beschlagnahmungen von Nahrungsmitteln, die ohne Abgabe von Marken angekauft wurden, erfolgen. Wie es heißt, verkaufen viele der Leute in ihrer Heimat die angekauften Sachen mit erheblichem Gewinn weiter[…].“

Wasser, ein billiges Heizmittel

„Jeder Schmied verwendet nasse Kohlen, um eine gewisse Hitze zu erhalten. Wir sollten es ihm nachmachen, die Kohlen anzufeuchten. Jeder Aschkasten sollte wasserdicht sein. Füllt man ihn mit Wasser, so fallen die kleinen Funken hinein und entwickeln Dampf, der durch die Glut nach oben steigt und viele Hitze abgibt. Man wird sich wundern, wie schnell das Wasser verdampft ist. Die Glut mit angefeuchteter Asche zudecken, ist sehr lohnend, weil sich die Hitze viel länger im Ofen hält. Wenn man ein Brikett in nasses Zeitungspapier wickelt, ist die Brennzeit bedeutend länger als beim trocknen. Kalte Kohlen geben nicht so viel Hitze wie angewämte, deshalb sollte man in dieser knappen Zeit die Kohlen abends neben den warmen Ofen stellen.“

Krähenfrikassee

„[…] Seit einiger Zeit werden auf dem Wildmarkt Graukrähen und auch wohl andere Krähen den Hausfrauen zur Bereicherung ihrer Speisekarte angeboten und finden auch Absatz. In der jetzigen Zeit der Fleischknappheit ist ja jede Bereicherung des Fleischmarktes zu begrüßen, aber die Hausfrauen sollen nicht annehmen, daß die Krähe etwa einen guten Braten abgibt. Das Fleisch der gewöhnlich gehandelten grauen oder Nebelkrähe ist mit dem junger Saatkrähen nicht zu vergleichen, es ist absolut mager, ohne jedes Fett und jetzt bei der kärglichen Nahrung der Vögel natürlich trocken und zähe. Es ist daher den Hausfrauen nur anzuraten, die Krähen nicht zu braten, sondern sie in der Art eines Ragout oder Frikassees zuzubereiten. Die erste Bedingung ist, daß die Vögel nicht gerupft, sondern mit Haut und Federn abgezogen werden, eine einfache und leichte Arbeit. Dadurch verliert das Fleisch von seinem nicht angenehmen Geruch. Wenn nun das Fleisch noch einige Tage in saure Milch oder in eine schwache Essigmischung eingelegt wird, gewinnt es auch noch an Weichheit und Wohlgeschmack. […]“