Radauplätzchen ungenießbar

„Warnung vor gesundheitsgefährlichem spanischen Feuerwerk. Es ist wiederholt beobachtet worden, daß spanisches Feuerwerk (Radauplätzchen, Teufelskracher u. dergl.) in der Zündmasse gelben Phosphor enthielt. Bei einem zehnjährigen Knaben, der zwei Radauplätzchen zum Lutschen in den Mund genommen und dann verzehrt hatte, traten Uebelkeit, Erbrechen und schließlich der Tod ein. Gelber Phosphor ist ein starkes Gift. Es wird daher dringend davor gewarnt, derartiges Feuerwerk den Kindern zugänglich zu machen.“

Tod des Fabrikbesitzers Josef Fritzsche

„Plötzlich und unerwartet verschied vergangene Nacht ½ 1 Uhr nach nur kurzem Krankenlager an einem Schlaganfall der Tuchfabrikbesitzer Hr. Josef Fritzsche. Er stand erst im 59. Lebensjahre und hätte menschlichem Ermessen nach noch gut über ein Jahrzehnt sich seines an Taten und Erfolgen so reichen Leben erfreuen können, umsomehr, als er bis vor wenigen Tagen noch seine volle Arbeitskraft dem umfangreichen Fabrikbetriebe gewidmet hatte. Hr. Josef Fritzsche hat an dem reichen Emporblühen der Firma Tuchfabrik G. Franz Fritzsche, die jetzt die größte ihrer Art in hiesiger Stadt ist, wesentlichen Anteil, hatte er doch sein hervorragend technisches Können und seinen nimmer rastenden Fleiß ganz und voll dem Fabrikgeschäft, dessen Mitinhaber er nach dem Tode seines Vaters wurde, zur Verfügung gestellt. Durch sein Wohlwollen und seinen Gerechtigkeitssinn hat er sich in den Herzen der Angestellten und der zahlreichen Arbeiterschaft ein bleibendes Denkmal gestiftet. Das Vertrauen seiner Mitbürger in sein rechtliches Denken und Handeln kam durch seine Wahl in den Gemeinderat, dem er seit Jahren angehört, zum Ausdruck. Nun hat der unerbittliche Tod einem arbeitsfrohen und tatenreichen Leben ein plötzliches Ziel gesetzt. Friede seiner Asche!“

Die Fabrik Josef Fritzsche in der Ziegenrücker Straße, 1939 (Fotosammlung Dr. Ehrlicher)
Die Fabrik Josef Fritzsche in der Ziegenrücker Straße, 1939 (Fotosammlung Dr. Ehrlicher)

Mangelware Honig

„Reiner Bienenhonig ist heuer eine sehr rare Ware und nur schwer zu bekommen, da die Ernte ganz geringfügig ist. Der hiesige Bienenzuchtverein hatte seinen Mitgliedern einen Verkaufspreis von 1,40 Mk. für das Pfund (ausschließlich Glas) empfohlen. Das war eine Steigerung um nur 20 Pfg., da das Pfund früher mit 1,20 Mk. verkauft worden war. Sehr hoch waren dagegen die Preise bei dem in Weimar gestern abgehaltenen Obst- und Honigmarkt, sie betrugen 3-3,20 Mk. für das Pfund. Zum Verkauf gestellt waren im ganzen 24 Pfund Honig.“

Beliebter heimischer Künstler

„Im Fürstengarten-Saale wird morgen unser heimischer Künstler, Hr. Julius Scholze, in weiteren Kreisen bekannt unter dem Namen „Scholze aus dem Orlatale“, auftreten und die Zuhörerschaft durch seine gediegenen Darbietungen erfreuen. Wir weisen an dieser Stelle gern darauf hin, da wir den Veranstaltungen des Hrn. Scholze selber öfters beigewohnt haben und ihren Besuch wärmstens empfehlen können.“

Hinter dem Künstlernamen „Scholze aus dem Orlatal“ verbirgt sich Ernst Julius Scholze, der 1886 in Neustadt an der Orla geboren wurde. Er war ein gefeierter Bauchredner, Gitarrist und Liedersänger.
Hinter dem Künstlernamen „Scholze aus dem Orlatal“ verbirgt sich Ernst Julius Scholze, der 1886 in Neustadt an der Orla geboren wurde. Er war ein gefeierter Bauchredner, Gitarrist und Liedersänger.

Keine Obstreste auf die Straße werfen!

„Bei dem Eintritt der Obstpreise wird die Beobachtung gemacht, daß Obstreste achtlos auf die Straße geworfen werden. Diese Handlungsweise kann für die Fußgänger zu Unglücksfällen führen. Der Täter, welcher diesen Unfall gegebenenfalls verursacht hat, macht sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig und kann außerdem von dem Beschädigten zivilrechtlich für den ihm entstandenen Schaden haftbar gemacht werden.“

Freiheit und Wasser dem Kettenhund

„Einige eindringliche Worte an die Hundebesitzer: Gebt eurem Kettenhund täglich mehrmals frisches Wasser in einem sauberen Napf. Vergeßt seine Abwartung namentlich in der Erntezeit nicht. Hunde ständig an die Kette zu hängen, ist eine große Tierquälerei. Kein Tier leidet unter dauernder Freiheitsberaubung mehr als der kluge lebhafte Hund. Man gönne ihm wenigstens für einen Teil des Tages die Freiheit.“

Neustädter Klavier zerhackt

„Einen interessanten Fund machte zufällig in diesen Tagen Hr. Tuchmachermeister W. Gabriel. Er zerkleinerte ein von seinem vor kurzem verstorbenen Schwiegersohn Leberecht Rocktäschel für einige Mark erstandenes, aus dem Nachlasse des verstorbenen Schönfärbers Eduard Götze (Vater des Hrn. Eugen Götze) herrührendes, tafelförmiges Klavier, welches vollständig vom Wurm zerfressen war. Beim Zerhacken des letzten Klavierfußes fiel aus dem Innern desselben ein kleiner Zettel heraus, auf welchem zu lesen stand: »Urkunde. Dies Instrument wurde im August 1832 bei Christian Steingräber gefertigt, wo ich zu selbiger Zeit war. Gottfried Truppel aus Blankenburg b. Rudolstadt.«

Genannter Truppel war wahrscheinlich Gehilfe bei Steingräber. Die Steingräber’sche Klavierfabrik befand sich in dem heute noch stehenden Maurermeister Rößler’schen Hause in der Börthener Straße [Anm.: heute August-Bebel-Straße 25]. Später verlegte Steingräber von hier sein Geschäft nach Bayreuth i. B., wo es sich bedeutend entwickelte. Ein zweiter Bruder des Vorgenannten hatte übrigens auch eine Pianofabrik in Arnshaugk. Diese beschäftigte noch mehr Leute als die hiesige. Ein Sohn des hiesigen Steingräber, Theodor, geb. am 25. Jan. 1830, sehr musikalisch, wandte sich, nachdem er 1842 bis 1847 Franz Liszt in Weimar mehrmals gehört, vom Studium der Theologie ab und der Musik zu. Später gründete er in Hannover einen Musikverlag und gab unter dem Pseudonym »Gustav Damm« die weltbekannte, in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitete »Damm’sche Klavierschule« heraus. Im Jahre 1878 zog er nach Leipzig und gründete dort den noch heute rühmlichst bekannten »Steingräber’schen Verlag«. Nicolai“