Puddingschwindel

„Unerhörte Preise für sog. Speise- und Puddingpulver. Bei den in neuerer Zeit viel in den Handel gebrachten Speise- und Puddingpulvern hat das Nahrungsmittel-Untersuchungsamt der Landwirtschaftskammer in Berlin eingehende Untersuchungen angestellt und die Beobachtung gemacht, daß fast durchweg billige Produkte unter Phantasienamen zu unerhört hohen Preisen verkauft werden. In festen Packungen werden dem Publikum 200 Gramm Maismehl oder Mischungen desselben mit anderen Mehlarten zum Preise von 1,10 Mark und darüber unter allerlei tönenden Namen verkauft, so daß also ein Pfund dieser Waren 2,80 bis 3 Mark kostet. Dieser Preis steht in keinem Verhältnis zu dem wirklichen Wert. Andere erwiesen sich als Gemisch von Reis- Hafer und Kartoffelmehl, die gleichfalls mit 1 Mark für 200 Gramm weit über ihren Wert bezahlt werden. […] Vor dem Ankauf derartiger Produkte ist aufs dringenste zu warnen, damit gewinnsüchtige Hersteller und Vertreiber nicht Unterstützung durch das Publikum erfahren.“

Kostenloses Frühstück für bedürftige Kinder

„Durch die dankenswerte Gewährung der nötigen Geldmittel seitens der hiesigen Sparkasse ist auch in diesem Winter die Bürgerschule wie seit langer Zeit in die erfreuliche Lage versetzt, den besonders bedürftigen Schulkindern täglich unentgeltlich warmes Frühstück zu bieten. Vom nächsten Montag ab soll 120 Kindern während der rauhen Wintermonate diese Wohltat zuteil werden, die in der gegenwärtigen durch den Krieg hervorgerufenen Notlage von ganz besonderm Segen sein wird. Auch im vorigen Winter wurde in Ermangelung von Milch statt wie früher Milch und Brot warme Suppe gegeben. Einen namhaften Zuschuß zu den Kosten leistete im Vorjahre ein hiesiger Bürger, der sich seit einer langen Reihe von Jahren durch Opferbereitschaft als Wohltäter im allgemeinen und als Freund der Schule im besonderen bewiesen hat. Für die segensreichen Zuwendungen sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank gesagt.“

Zwei Hunde auf Raubzug

„Zwei Hunde brachen gestern aus einem am Walde gelegenen, nur zu gewerblichen Zwecken benutzten, unbewohnten Gebäude aus. Auf der Sachsenburg brachen sie in den Klette’schen Ziegenstall ein und bissen eine dreijährige und eine einjährige Saanenziege tot. Der Wert der beiden getöteten Tiere beträgt gegen 150 Mk. Noch nicht genug damit, setzten die Hunde ihren Raubzug fort. In der Rodaer Straße drangen sie in einen Hof, zertrümmerten das Gitter eines dort befindlichen Kaninchenstalles und erbissen die zwei darin befindlichen wertvollen zuchtfähigen Häsinnen. Der Schaden, den die beiden bissigen Köter anrichteten, bevor man ihrer wieder habhaft werden konnte, ist also ganz beträchtlich.“

Ausfuhrverbot für Gänse

„Von der Schutzmannschaft wurden am Mittwoch 4 Gänse beschlagnahmt, die ein auswärtiger Händler, der im Bezirk als Aufkäufer zudem gar nicht zugelassen war, in Lausnitz gekauft hatte und mit der Bahn nach Naitschau zu verschicken im Begriff war. Vom Großh. Hrn. Bezirksdirektor wurde verfügt, daß die Gänse verkauft und der Erlös hinterlegt werden sollte. Inzwischen hatte die Bahn die Gänse nach ihrem Bestimmungsort verschickt. Auf den Ausgang der Sache darf man gespannt sein. Die Ausfuhr von Gänsen aus dem Bezirk ist bekanntlich verboten.“

Liliput in Neustadt

„Ein eigenartiges Künstlervölkchen hält […] seinen Einzug in Neustadt und zwar in Böttchers Gasthaus [Anm.: heute Hotel Stadt Neustadt]. Wie ein Kapitel aus ‚Gullivers Reisen‘ und ‚Großmutters Märchenschatz‘ klingt es, was da an Ergötzlichem und Drolligem an uns vorüberzieht. Zehn allerliebste Zwergschauspieler, von denen der kleinste 58 Zentimeter und der größte nicht viel über einen Meter mißt, sind von Walter Ruhtisch zu einer Künstlergesellschaft ersten Ranges herangebildet worden und haben als solche die Feuerprobe vor der gesamten Hamburger Presse mit glänzendem Erfolg bestanden. Die Kleinen gastierten an der Volksoper in Hamburg, am Neuen Operettentheater, im Zoolog. Garten (Ernst Merk-Halle), und nach den vorliegenden Berichten sind die Kleinen in ihren Leistungen als Darsteller in den eigens für sie geschriebenen Burlesken […] geradezu unübertrefflich in ihrem gesunden Humor und ihrem köstlich-drolligen Wesen, das selbst dem ärgsten Griesgram ein fröhliches Lachen entlockt. – Über Braunschweig, Dessau, Jena, Altenburg, Halberstadt kommen die kleinen Leute nun auch durch Neustadt. […]“

Unfug mit Folgen

„Das Kastanienabwerfen, eine alte Unsitte unserer Schuljugend, ist wieder einmal im Gange. Abgesehen von der Zerstörung, die der betreffende Baum durch abgeworfene Zweige und Äste erleidet, wird durch Steine, die ihr Ziel verfehlen, auch manche Fensterscheibe zertrümmert und manchem Menschen Schaden zugefügt. De Eltern sollen ihren Kindern diesen Unfug sehr energisch verbieten. Tun sie es nicht oder bleiben die Ermahnungen fruchtlos, dann muß die Schulgewalt mit schärferen Mitteln einschreiten.“

Rabatt auf Leichenüberführungen

„Die Heimbeförderung von Leichen gefallener oder im Felde verstorbener Kriegsteilnehmer während des Krieges verursacht nicht nur den militärischen Stellen, sondern auch den Eisenbahnen, besonders im besetzten feindlichen Gebiete, so erhebliche Schwierigkeiten, daß den Angehörigen nur dringend empfohlen werden kann, solche Leichenüberführungen bis nach Beendigung des Krieges zurückzustellen. Sie haben dann noch den Vorteil einer Ermäßigung der Beförderungsgebühren in Höhe von 50 Proz., die die deutschen Staatsbahnen später zu gewähren beabsichtigen.“