Stromanschluss für Lederwerk

Aus der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 22. Februar:

„5. […] Bei einem Gesuch der Firma Gebr. Ehrhardt [Anm.: heutige Dimitroffstr. 14] um Erlaubniserteilung zur Einführung elektrischer Kraft nach ihrem Fabrikgrundstück wird die Dringlichkeit anerkannt. Die Lederfabrik der Gebr. Ehrhardt ist vor einiger Zeit durch Feuer zerstört worden [siehe Meldung vom 2. Dezember 1917]. Die Firma hat Heeresaufträge auszuführen und hatte deshalb die Brauer & Sachs’sche Lederfabrik gemietet, um darin die Lederfabrikation weiter zu betreiben. Der schadhafte Zustand des Dampfkessels zwang sie aber, dort den Betrieb wieder einzustellen. Nunmehr wollen Gebr. Ehrhard in den noch erhalten gebliebenen Räumen ihrer Lederfabrik weiter gerben und elektrische Kraft vom Elektrizitätswerk Sachsen-Thüringen in Auma von Döhlen aus vorläufig auf ein Jahr einführen. […] Da sich die Gesuchsteller in einer Zwangslage befinden und die Zuführung elektrischer Kraft nur als Notbehelf angesehen wird, so wird die Erlaubnis zur Herstellung der Leitung, soweit es sich um Eigentum der Stadt handelt, und zur Zuführung von Elektrizität bis 1. April 1919 erteilt. Doch werden daran verschiedene Bedingungen geknüpft. So behält sich die Stadt, wenn es in ihrem Interesse liegt, den jederzeitigen Widerruf vor. Alle Kosten für Legung und Beseitigung der Leitung haben die Geb. Ehrhardt zu tragen, ebenso haften sie für alle etwa entstehenden Schädigungen. Bei Einführung elektrischer Energie seitens der Stadt muß die Firma diese von der Stadt abnehmen. An dritte Personen darf Elektrizität nicht weitergegeben werden.“

[Anm.: Das Neustädter Elektrizitätswerk nahm 1920 den Betrieb auf.]

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Lederqualität allererster Güte

„Die Firma A. Lange, Lederfabrik hier [Anm.: Rodaer Str. 40], erhielt von der Kriegsamtstelle Kassel die Mitteilung, daß das von ihr hergestellte Vacheleder [Anm.: biegsames Leder für leichte Schuhe, Brandsohlen oder Schuhkappen] zur Sonderklasse gemäß § 3 b der Bekanntmachung über die Höchstpreise von Leder vom 20. Okt. 1917 zugelassen worden ist. Diese Anerkennung ist für die Firma um so erfreulicher, als in diese Sonderklasse nur die besten Erzeugnisse dieser Lederart eingereiht werden.“

Hamster schmuggeln Quark und Eier nach Sachsen

„Auf dem hiesigen Bahnhofe und den benachbarten Haltestellen wird zurzeit wieder durch Hilfsgendarmen eine scharfe Aufsicht gegenüber Personen ausgeübt, die Nahrungsmittel verbotenerweise im hiesigen Bezirk aufkaufen und nach auswärts schaffen wollen. Es vergeht fast kein Tag, an welchem nicht sogen. Hamster männlichen und weiblichen Geschlechts aufgegriffen werden. Erst gestern wurde wieder einem Mann aus Leipzig eine Anzahl Eier – man spricht von einem Schock – und Quark weggenommen. Vielfach werden jetzt Lebensmittel seitens solcher Fremden, hübsch in Pakete verpackt, auf der Post aufgegeben, aber auch hier wird scharf aufgepaßt und unsere Schutzmannschaft hat da in den letzten Tagen wieder gute Fänge gemacht. […]“

Zum Decken nach Moderwitz

„Moderwitz, 29. Jan. Hr. Freigutsbesitzer Alfred Häßner hier hat einen erstklassigen Fuchshengst angekauft und stellt diesen zur Benutzung als Deckhengst zur Verfügung. Der Hengst stammt väterlicher- und mütterlicherseits aus hervorragenden Blutlinien – Orange-Jupiter-Linie des Belg. Zuchtbuches – und ist bei der am 22. Jan. stattgefundenen Ankörung in Triptis seitens der Körkommission, bestehend aus dem Landestierarzt Regierungsrat Prof. Dr. Hohstetter in Jena, Veterinärrat Dr. Ellinger in Neustadt und Rittergutsbesitzer Landkammerrat Allmer von Abendroth in Wenigenauma, außerordentlich günstig beurteilt worden. Der Hengst dürft der hierorts noch sehr darniederliegenden Pferdezucht recht förderlich werden, zumal jetzt eine neue Vereinigung zur Zucht des schweren Arbeitspferdes – Vorsitzender Rittergutspächter Schneider in Endschütz – begründet wurden ist, die alle diese Zuchtbestrebungen wirksam unterstützt und gern Anmeldungen neuer Mitglieder entgegennimmt. Wir verweisen auch auf das heutige Inserat.“

dav

Gefiederte Zufrühkommer

„Wie alljährlich, so werden auch heuer verfrüht eingetroffene Stare hier und in der Umgegend seit etwa einer Woche beobachtet. Bei dem zurzeit herrschenden außergewöhnlich milden Wetter befinden sich die Tierchen ganz wohl und pfeifen ihr munteres Liedlein zum Ergötzen aller Naturfreunde in die Welt hinaus. Die mit Sicherheit zu erwartenden Kälterückfälle werden freilich den Schwarz- und Grauröcken noch leidvolle Tage bringen.“