Ruchloser Mord

„Einem ruchlosen Mord fiel gestern der staatliche Förster Hr. Julius Hartmann aus Breitenhain, ein äußerst pflichtgetreuer Beamter, zum Opfer. Er war früh 3 Uhr von zu Hause fortgegangen, um die Verüber zahlreicher in letzter Zeit vorgekommener Holzdiebstähle zu fassen. Als er bis Mittag noch nicht zurück war, wurden seine Angehörigen über sein Ausbleiben beunruhigt. Es wurden daraufhin unter Leitung des städtischen Forstaufsehers Hrn. Müller sofort Nachforschungen nach ihm angestellt. Abends gegen 6 Uhr fand man dann seine Leiche an einem Baum aufgeknüpft und die geladene Büchse im Arm vor. […] Vermutlich hat Hartmann die Diebe – alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es mehrere waren – beim Holzfällen angetroffen und sie fassen wollen, wobei einer den tödlichen Streich mit der Axt gegen den Beamten führte. Um die Tat zu verwischen, haben die Verbrecher wahrscheinlich die Leiche im Dickicht aufgeknüpft, um so einen Selbstmord vorzutäuschen, da sie jedenfalls annahmen, daß die Leiche nicht so bald aufgefunden und die eintretende Verwesung die Spur des Verbrechens bald auslöschen würde. Noch im Laufe des Abends fand die bezirksärztliche und gerichtliche Inaugenscheinnahme des Fundorts und der Leiche statt, Hr. Oberamtsrichter Fleischer stellte später noch Vernehmungen in Lichtenau an. Als der Tat dringend verdächtig sind zwei Lichtenauer Einwohner verhaftet und gegen 1 Uhr nachts ins hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. Sie stellen ihre Teilnahme an dem Mord in Abrede. […]
Der Ermordete stand im 61. Lebensjahre, er war bei seinen Vorgesetzten, Kollegen und allen seinen Bekannten infolge seines lauteren, ehrlichen Charakters beliebt und geachtet. Seiner Familie wird aus allen Kreisen die wärmste Anteilnahme beim jähen durch Verbrecherhand herbeigeführten Tode ihres Gatten und Vaters entgegengebracht. Die Leiche wurde vergangene Nacht nach Breitenhain überführt, wo heute nachmittag im Beisein des Gerichts die Leichenöffnung stattfindet.“

Nachtrag am 30.7.:

„Die gestern in Breitenhain erfolgte gerichtliche Oeffnung der Leiche des ermordeten Forstaufsehers Hartmann ergab, daß der Tod nicht durch den Schlag auf den Kopf eingetreten ist, sondern durch Strangulieren. Wahrscheinlich ist H. durch den Schlag besinnungslos geworden, die Täter haben ihn für tot gehalten und haben ihn dann mit der Zeltbahnschnur aufgehängt, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Die Schädeldecke ist nicht zertrümmert, die Verletzungen am Hinterkopf sind unerheblich und rühren anscheinend von einem Ast her, an dem sich der Kopf gescheuert hat. Die Leiche wurde zur Beerdigung freigegeben.“

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Streit um Kartoffeln

„Heute früh kam es vor dem Lebensmittelamt zu stürmischen Szenen. Bei der Ausgabe der Scheine zum Bezug der letzten städtischen Kartoffeln hatte sich der größte Teil der Bezugsberechtigten auf einmal eingefunden. Jeder wollte natürlich sofort abgefertigt sein, was aber den Beamten beim besten Willen nicht möglich war. Nun entstand unter den Wartenden, von denen viele behaupteten, schon gestern eine Zeitlang vergeblich gestanden zu haben, großer Unwillen, der sich so stark Luft machte, daß die Beamten um polizeilichen Schutz ersuchen mußten, damit die Geschäfte ordnungsgemäß abgewickelt werden konnten. Um diese für die Beamten, sowohl für die Allgemeinheit unerquicklichen Szenen zu vermeiden, möchten wir empfehlen, in Zukunft bei allen außergewöhnlichen Ausgaben von Lebensmittelmarken, bei denen größerer Andrang zu erwarten ist, die Verteilung so vorzunehmen, daß in jeder Stunde nur eine im voraus zu bestimmende Nummernfolge ausgegeben wird.“

Solbäder für Kinder

„Auch in diesem Jahre wurden an hiesigen Kindern in der Carlsohn‘schen Badeanstalt Solbäder verabreicht. 94 schwächlichen und kränklichen Kindern konnte in 1162 Bädern diese Wohltat erwiesen werden. So erhielt jedes Kind in 5 Wochen je 12 bis 15 Bäder. Außerdem erhielt jedes Kind nach dem Bade Suppe und zu ihrer großen Freude-Semmeln von weißen Mehl. Das Salz lieferte Neustadts Wohltäter Herr Fabrikant Richard Fritzsche. Ihm sowohl, wie den 6 Damen sei für ihre aufopfernde Tätigkeit hier herzlich gedankt. Besonderer Dank gebührt aber unserer stets hilfsbereiten, unermüdlichen Schwester Anna. Möge den Kindern diese Wohltat zum Segen gereichen und Kinder und Eltern sich dankbar erweisen.“

Erholung vom Schulstaub

„Die großen Ferien haben begonnen. Am heutigen Morgen [Anm.: 19.7.], 9 Uhr, haben alle hiesigen Schulen ihre Pforten auf 4 Wochen geschlossen. Die großen Ferien sind nun da und die größte Sehnsucht eines jeden Schülers hat sich damit erfüllt. Vier Wochen der Schule ganz fern sein, vier Wochen ganz frei sein und den Schulstaub nicht atmen müssen, wer wüßte nicht, was das für ein Kind heißt. Nun möge der alte Wettergott ein Einsehen haben und sonnige Tage senden, daß die diesjährigen Ferien Allen, Kindern sowohl als auch Lehrern, Erholung und Stärkung zu neuer Arbeit bieten. Der Unterricht beginnt erst am Dienstag, den 19. August, wieder, auch der Fortbildungsschulunterricht. Mit dieser Neuerung ist ein langersehnter Wunsch der Volksschulen in Erfüllung gegangen – Gleichheit des Schulbeginnes mit den höheren Schulen.“

Entstehung Volkshochschule

 „Zur äußeren Organisation und zur Aufstellung eines ersten Arbeitsplanes der hiesigen Volkshochschule findet in nächster Zeit eine Mitarbeiter- und Vertreter-Versammlung statt, zu der noch besondere Einladung ergehen wird. Soweit möglich, wird aber auch vorher schon bereitwilligst Auskunft erteilt und ebenso werden vorläufige Anmeldungen zur Teilnahme und Mitarbeit, Ratschläge, Wünsche und Anregungen aller Art jederzeit entgegengenommen. Der vorläufige Leiter, Pfarrer Dünnebier, ist zu diesem Zwecke Dienstag bis Freitag dieser Woche mittags 11-12 Uhr in der Volksbücherei auf dem Rathaus und außerdem in seiner Wohnung zu sprechen; […] Um nochmalige freundliche Meldung werden insbesondere diejenigen Damen und Herren gebeten, die sich bereits in der Versammlung im Schützenhaus zur Uebernahme von Schreibarbeit und dergl. bereit erklärt haben.“

Ende der Kurrende

„Unsere Kurrende muß […] infolge zahlreicher Abmeldungen das Singen vor den Häusern einstellen. Die Gründe dafür sind in der für die jetzigen Zeitverhältnisse allerdings geringen Bezahlung und in der Entziehung der Brotzusatzmarken zu suchen. Es wäre recht bedauerlich, wenn aus der angeführten Ursache die alte schöne Einrichtung, die man sogar in neuerer Zeit in größeren Nachbarstädten wieder aufleben ließ, verschwinden sollte. Niemand in der ganzen Stadt wird sie im Ernste für die Zukunft missen wollen. Es muß sich doch leicht ein Weg finden lassen, der die Ursachen des Eingehens der Kurrende beseitigen könnte. Wie wäre es z. B., wenn man die jetzigen Bezüge der Kurrendschüler etwas erhöhen würde, dann würde sicher die schöne Einrichtung, die auch vielen hier durchkommenden Fremden angenehm auffiel, erhalten bleiben können.“