Freiheit und Wasser dem Kettenhund

„Einige eindringliche Worte an die Hundebesitzer: Gebt eurem Kettenhund täglich mehrmals frisches Wasser in einem sauberen Napf. Vergeßt seine Abwartung namentlich in der Erntezeit nicht. Hunde ständig an die Kette zu hängen, ist eine große Tierquälerei. Kein Tier leidet unter dauernder Freiheitsberaubung mehr als der kluge lebhafte Hund. Man gönne ihm wenigstens für einen Teil des Tages die Freiheit.“

Neustädter Klavier zerhackt

„Einen interessanten Fund machte zufällig in diesen Tagen Hr. Tuchmachermeister W. Gabriel. Er zerkleinerte ein von seinem vor kurzem verstorbenen Schwiegersohn Leberecht Rocktäschel für einige Mark erstandenes, aus dem Nachlasse des verstorbenen Schönfärbers Eduard Götze (Vater des Hrn. Eugen Götze) herrührendes, tafelförmiges Klavier, welches vollständig vom Wurm zerfressen war. Beim Zerhacken des letzten Klavierfußes fiel aus dem Innern desselben ein kleiner Zettel heraus, auf welchem zu lesen stand: »Urkunde. Dies Instrument wurde im August 1832 bei Christian Steingräber gefertigt, wo ich zu selbiger Zeit war. Gottfried Truppel aus Blankenburg b. Rudolstadt.«

Genannter Truppel war wahrscheinlich Gehilfe bei Steingräber. Die Steingräber’sche Klavierfabrik befand sich in dem heute noch stehenden Maurermeister Rößler’schen Hause in der Börthener Straße [Anm.: heute August-Bebel-Straße 25]. Später verlegte Steingräber von hier sein Geschäft nach Bayreuth i. B., wo es sich bedeutend entwickelte. Ein zweiter Bruder des Vorgenannten hatte übrigens auch eine Pianofabrik in Arnshaugk. Diese beschäftigte noch mehr Leute als die hiesige. Ein Sohn des hiesigen Steingräber, Theodor, geb. am 25. Jan. 1830, sehr musikalisch, wandte sich, nachdem er 1842 bis 1847 Franz Liszt in Weimar mehrmals gehört, vom Studium der Theologie ab und der Musik zu. Später gründete er in Hannover einen Musikverlag und gab unter dem Pseudonym »Gustav Damm« die weltbekannte, in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitete »Damm’sche Klavierschule« heraus. Im Jahre 1878 zog er nach Leipzig und gründete dort den noch heute rühmlichst bekannten »Steingräber’schen Verlag«. Nicolai“

Beerendiebe

„Die Spitzbübereien nehmen kein Ende. Sogar Beerensucher, die doch in der Mehrzahl den Minderbemittelten angehören, werden des öfteren um die Erträgnisse ihrer Mühen gebracht, indem ihnen im Walde von ruchlosen Händen die gesammelten Beeren samt den Gefäßen gestohlen werden. Auch Tragkörbe, in denen sich die größeren Sammelgefäße befanden, sind schon von diebischen Händen entwendet worden. Erst gestern wurde wieder einer älteren Frau, die Beeren suchte, ihr Tragkorb nebst einem Säckchen mit Fichtenzapfen wegstibitzt. Falls solches Diebsgesindel einmal erwischt wird, bleibt hoffentlich eine recht strenge Bestrafung nicht aus.“

Sperlingsplage

„Der Gassenbube unter der Vogelwelt lebt in der jetzigen Zeit der Getreidereife im Vollen. Er sucht emsig die Felder nach Körnern ab. Solange die Halme noch stehen, sieht man den Frechling sich auf ihnen schaukeln, dabei mit aller Seelenruhe die Aehren leerend. Ist das Getreide gemäht und steht in Garben, dann sitzt er auf diesen und hält noch bequemere Ernte. In großen Schwärmen fliegt er hierbei und setzt sich fest, sodaß die Garben oft ganz schwarzgrau aussehen. So hat es eigentlich der Spatz jetzt im Punkte Ernährung am besten. Er kennt keine Nahrungsmittelteurung und pfeift auf alle Verbote, die das Betreten der Felder nicht gestatten. An vielen Orten hat man daher auch einen Vernichtungsfeldzug gegen den Sperling eröffnet.“

Enteignung von Fahrradreifen

„Beschlagnahme der Fahrradbereifungen. Zu dem vor einiger Zeit erlassenen ‚Radfahrverbot‘ ist nunmehr eine ins einzelne gehende Bekanntmachung der Militärbefehlshaber erschienen, die am 12. August in Kraft treten soll. Danach werden alle in Privathand befindlichen Fahrradbereifungen beschlagnahmt. Weiterbenutzung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen für ganz bestimmte Zwecke gestattet. Anträge sind unter Beifügung der Radfahrkarte bei den Polizeibehörden auf geschriebenem Vordruck zu stellen.  […] Alle nicht bis zum 15. September freiwillig abgelieferten Decken und Schläuche, die nicht zur Weiterbenutzung zugelassen sind, müssen abgemeldet werden und werden enteignet. […] Auf diese Weise werden die in den Fabriken und bei Händlern befindlichen Bereifungen ausschließlich für die Heeresverwaltung gesichert und doch daneben dem eingeschränkten Zivilbedarf die nötigen Ersatzstücke zugeführt. Von dem patriotischen Sinn unserer Radler und Radlerinnen ist zu erwarten, daß der größte Teil der beschlagnahmten Bereifungen freiwillig abgeliefert wird.“

Wiederverwendbare Kirschkerne

„Sammelt die Kirschensteine. Wer die Knappheit an Fetten und Ölen so unliebsam am eigenen Leibe verspürt wie wir alle, wird keine Fruchtkerne verlorengehen lassen. Zehn Kirschensteine geben reichlich Fett für die zu einer Händereinigung nötige Seife, hundert Kirschensteine Öl für eine Portion Salat. Das Rote Kreuz und die Schulen sammeln die gut gewaschenen und getrockneten Steine der Kirschen, Aprikosen, Pflaumen und Zwetschgen. Der Erlös der Sammlung fließt der Wohlfahrtspflege zu. Also: nichts verkommen lassen!“

Linksfahrverbot

„Trotz aller Strafen und Erinnerungen wird die vom Staatsministerium erlassene Fahrordnung nur mangelhaft befolgt; insbesondere wird darüber geklagt, daß nicht nur Lastfahrzeuge, sondern auch bessere Wagen auf der linken Straßenseite der Fahrtrichtung fahren. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß die Nichteinhaltung der bestehenden Vorschriften über den Verkehr auf öffentlichen Straßen strenge Bestrafung nach sich zieht.“