Fürsten unerwünscht

„Die Weimarische Regierung hat jetzt die Staats-, Gemeinde- und Schulbehörden angewiesen, aus den öffentlichen Gebäuden und Schulen die Büsten und Bilder fürstlicher Personen entfernen zu lassen. Doch sollen nur diejenigen Büsten und Bilder entfernt werden, die in keiner Beziehung zu den Gebäuden und Anstalten stehen und nur den Ausdruck fürstlicher Gewalt und Macht darstellten. Dagegen sollen solche Büsten und Bilder nicht entfernt werden, die aus Dankbarkeit gegen fürstliche Personen angebracht wurden.“

Teure Löffelmänner

„Wie alles, was wir brauchen, ist auch der vielbegehrte Hase ganz außergewöhnlich im Preise gestiegen, denn allein sein Fell, das heute mit 5 Mark und darüber bezahlt wird, kostet also fast doppelt so viel als früher der ganze Hase, für den der übrige Preis drei Mark betrug. Der Höchstpreis war bis jetzt auf zehn Mark festgesetzt, aber dafür war natürlich nicht ein Stück zu haben, denn hintenrum wird das Drei= bis Vierfache dafür bezahlt. Die in Deutschland jährlich erlegten 5 Millionen Hasen, so hoch war wenigstens der Durchschnitt der Jahre vor dem Kriege, die früher einen Wert von 15 Millionen Mark repräsentierten, haben allein einen Pelzwert von 25 Millionen und wenn wir dazu noch das Wildbret zum festgesetzten Preis berechnen, dann gelten die Löffelmänner in deutschen Revieren heute jährlich 75 Millionen Mark.“

Hochzeitstickets

Anzeige. „Das Eintrittsgeld bei Trauungen in der Stadtkirche für Zuschauer ist für die Person auf 25 Pfennige und zwar zu Gunsten des Fonds für Erbauung einer neuen Orgel festgesetzt worden. Auch hat eine Neuordnung der sämtlichen Gebühren für kirchliche Handlungen stattgefunden, welche vom 1. Januar 1920 ab in Kraft treten wird. Auskunft hierüber erteilen die mit der Einziehung der Gebühren betrauten Stellen. […]“

Bücher als Weihnachtsgeschenke

„Die Teuerung greift tief in unsere althergebrachten Gepflogenheiten ein. Selbst die Sitte, Kindern wenigstens ein Buch unter den Weihnachtsbaum zu legen, ein Brauch, der ebensowohl in der Billigkeit des Geschenks als in der Freude des Beschenkten seine Ursache hatte, wird diesmal wohl nur in ganz beschränktem Umfang aufrechterhalten werden können, da auch Bücher sehr kostspielig geworden sind. Kann aber nur sehr wenig gegeben werden, so soll die Auswahl um so sorgfältiger sein. Durch die Lektüre wird der Geist des Kindes am stärksten gebildet, und die Eindrücke und Anschauungen, die aus den ersten Büchern geschöpft werden, halten das ganze Leben lang vor. Die richtige Auswahl der Geschenkbücher ist daher von einer Wichtigkeit, der durchaus nicht mit der Bitte an den Buchhändler, ‚etwas Passendes‘ zu empfehlen, Genüge getan wird. Bücher sollen den Kindern vor allem eine angenehme Zerstreuung bieten. Es gibt Werke genug, die diesem Ziele dienen, ohne darum zum Kitsch oder zur Sensationsmache herabzusinken. Vielen Kinderbüchern sind jedoch bei aller Spannung des Inhalts auch erzieherische Tendenzen eigen, und diese müssen gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt einer genauen Prüfung unterzogen werden, bevor man ihnen die Phantasie und das Gemüt des Kindes preisgibt.

Gerichtsprozess nach 14 Jahren beendet

„Nach 14jähriger Dauer ging ein Prozeß der Freifrau von Raven auf Langenorla zu Ende. Sie hatte die Städte Neustadt und Pößneck und zahlreiche Industrielle daselbst verklagt wegen Verunreinigung der Kotschau und Orla durch Zuführung von Abwässern. Es wurden eine große Menge Gutachten erforderlich und das Landgericht Gera verurteilte die Beklagten bei Strafandrohung, nicht mehr Abwässer usw. den beiden Flüssen zuzuführen, als gemein üblich war. Dagegen erhoben die Verurteilten Einspruch beim Oberlandesgericht Jena und beim Reichsgericht, die das Urteil des Landgerichts bestätigten. Bei jedem Uebertretungsfall durch die Verurteilten werden Strafen von 1500 Mk. bis zu 6 Monaten Gefängnis fällig.“

Schaffung zweier neuer Wachtmeisterstellen

Oeffentliche Gemeinderatssitzung vom 28. November:

„6. […] Zur Durchführung der Neuregelung des Polizeidienstes macht sich die Schaffung zweier neuer Wachtmeisterstellen notwendig. Die Maßnahme macht sich nötig, durch das Ausscheiden der Herren Polizeiwachtmeister Köhler und Krauße und ihre Uebernahme auf den inneren Verwaltungsdienst. Um zu sparen, soll die Flurhüterstelle nach dem Ausscheiden des Herrn Ebelt eingezogen und der Dienst von den Wachtmeistern mit übernommen werden. Der Gemeinderat gibt dazu seine Genehmigung.“