Keine Schule wegen Grippe

„Die Grippe-Erkrankungen haben in unsrer Stadt beträchtliche Ausdehnung angenommen. Auch Schulkinder sind vielfach daran erkrankt, in der Bürgerschule ist nicht eine Klasse, die davon nicht betroffen wäre, in manchen Klassen fehlen bis zu ein Drittel der Schüler. Die Lehrer blieben bis auf einige wenige Fälle bisher von der Krankheit verschont. Von zuständiger Stelle ist nunmehr angeordnet worden, daß die Bürger- und Fortbildungsschule von nächstem Montag ab bis auf weiteres geschlossen bleibt.“

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Hunde an die Front!

„Der Bund Thüringischer Tierschutzvereine richtet einen Aufruf an seine Mitglieder, sowie an alle Hundebesitzer, in dem erneut um Ueberlassung von Meldehunden gebeten wird. Noch immer laufen viele Hunde herum, deren Ernährung große Schwierigkeiten bereitet, umso mehr sollte man erwarten, daß solche Hunde dem Vaterlande zur Verfügung gestellt werden. Der Bund Thüringischer Tierschutzvereine hat bereits 61 Hunde zur Verfügung gestellt. Wer hilft das Hundert voll machen? Die Hunde werden von Fachdresseuren in Hundeschulen abgerichtet und im Erlebensfalle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Sie erhalten die denkbar sorgsamste Pflege. Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Abholung erfolgt durch Ordonnanzen.“

Bezirksdirektor Stichling gestorben

„Am Sonnabend nachmittag verbreitete sich die Trauerkunde in der Stadt, daß unser langjähriger, verdienstvoller, in allen Kreisen hochverehrter und beliebter Bezirksdirektor Hr. Geh. Regierungsrat Stichling verschieden sei. Unser Verwaltungsbezirk hat damit einen schweren Verlust erlitten, denn Hrn. Geheimrat Stichling zeichneten als Beamten wie als Mensch gleich vortreffliche Charaktereigenschaften aus. Er wurde am 1. Mai 1894 als Nachfolger des ins Ministerium nach Weimar versetzten Bezirksdirektor Dr. Schmidt durch Staatsminister v. Groß in sein Amt eingeführt. Was er als höchster Verwaltungsbeamter seinem Bezirk gewesen ist, wird nun, nach seinem Hinscheiden, erst zur vollen Würdigung kommen können. Mit allen Verhältnissen jeder kleinsten Gemeinde des 166 Städte und Ortschaften umfassenden Kreises war er aufs innigste vertraut. Bei den Bezirksausschußsitzungen trat es auch ihm Fernerstehenden deutlich hervor, wie er alle Sorgen und Nöte jeder einzelnen Gemeinde genau kannte und im Gedächtnis behielt. Die Bürgermeister des Bezirks verlieren in Geheimrat Stichling einen wohlwollenden, gerechten Vorgesetzten, der von ihnen zwar treueste und strengste Pflichterfüllung forderte, ihnen dafür aber auch jederzeit ein entgegenkommender, liebevoller Berater war. Kurz vor dem Kriege ging er mit der Absicht um, bald in den Ruhestand zu treten. Die Kriegsverhältnisse änderten aber seinen Entschluß, in idealster Auffassung seiner Pflicht hielt er auch dann noch aus, als sich infolge der Amtsüberbürdung ein schweres Leiden bei ihm einstellte. Die Interessen der Bevölkerung seines Bezirks vertrat er nach allen Seiten aufs nachdrücklichste und wenn in der schweren Kriegszeit nicht alle gestellten gerechten Forderungen und Wünsche erfüllt wurden, so war es sicher nicht seine Schuld. Als treuer Diener des Staates ist er nun nach über 40jähriger Tätigkeit inmitten seiner Amtsgeschäfte in die Ewigkeit abberufen worden, bis zum letzten Atemzuge bestrebt, zum Segen seines Bezirks zu wirken. Das höchste Lob, das einem an hervorragender Stelle stehenden Beamten werden kann, auf ihn trifft’s zu: Er sorgte für seinen Bezirk, wie ein guter Vater für seine Familie. Der Name Stichling wird im Neustädter Kreis allezeit in dankbarer Erinnerung bleiben.“

Wasserleitung für das Armenhaus

Öffentliche Gemeinderatssitzumg vom 27. September

„9. […] Früher hat der Gemeinderat die Zuleitung von Wasser nach dem Armenhaus einstimmig abgelehnt. Jetzt liegt ein erneutes, dringendes Gesuch des Hrn. Sattler vor. Nach den Ausführungen des Baubeamten mangelt es jetzt an Material, sodaß es sich bei der Herstellung nur um einen Notbehelf handeln könne. Die Kosten sind auf 1000 Mk. veranschlagt, wenn die Leitung vom Leichenhause aus gelegt wird. Beschlossen wird, das Armenhaus an das Wasserrohrnetz anzuschließen. Die Mittel werden nachverwilligt. Gleichzeitig sollen auch die Rohre der Gasleitung in die Erde verlegt werden.“

Siechenhaus mit Steg über den Siechenbach (Repro Helmut Näder)

Luxussteuer

„Es herrscht in der Bevölkerung vielfach die irrige Ansicht, daß ein Privatmann oder ein sogen. Stubenhändler Pianos, Flügel, Harmoniums usw. verkaufen könnte, ohne Luxussteuer zu zahlen. Dem ist durchaus nicht so, vielmehr unterliegt jeder Verkauf durch Private oder Stubenhändler der Luxussteuer. Verkäufer sowohl wie Käufer machen sich strafbar, wenn die Steuer nicht entrichtet wird, rückwirkend ist solche bis 1. August.“