Garnisonsstadt

„Seit gestern ist nun auch Neustadt Garnisonsstadt für ein Bataillon in Stärke von 500 Mann, wenn auch nur für eine gewisse Zeit. Gegen 4 Uhr nachmittags kam der erste Sonderzug mit dem Bataillonsstab und 2 Kompanien der 172er hier an. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Bahnhof Hr. Bürgermeisterstellvertreter Krahner und Hr. Polizeiwachtmeister Brüheim eingefunden. Beim Hereinmarsch gab den Soldaten eine zahlreiche Menschenmenge das Geleit. Die Mannschaften kamen in Massenquartiere, die Offiziere sind in den hiesigen Gasthäusern untergebracht. Abends 10 Uhr kam dann der Rest des Bataillons mit Sonderzug hier an. Beim Einmarsch dieses Teils hatten sich drei Mann Musik der Militärmannschaften an die Spitze gestellt und ließen muntere Weisen ertönen. Wir heißen das Bataillon in unsrer Stadt herzlich Willkommen!

Das Bataillon ist wie folgt verteilt: Bataillons-Geschäftszimmer im „Goldenen Löwen“, Zimmer 14, 15, 16, 17. Versorgungs- und Paßabteilung im Erdmann’schen Laden, Karl-Alexanderstr. Kasseverwaltung im Kaffee Klemm, 1. Stock. Gerichtsabteilung im Eiskeller. Revierkrankenstube im Eiskeller (Kino). Kantine im früheren Pechmann’schen Möbellager am Markt. Lebensmittelraum im Karl Ulitzsch’schen Laden, Brauhausgasse 21. Waffenmeisterei bei Fr. Stiehler, Schuhgasse. Bataillons-Bekleidungskammer in C. A. Küntzels Tuchfabrik. 1. Kompanie im Gasthaus Böttcher, Geschäftszimmer im Kaffee National. 2. Komp. im Saal zu Arnshaugk, Geschäftszimmer ebenda. 3. Komp. im Fürstengarten und Eiskeller, Geschäftszimmer Kaffee Klemm. Genesenden Kompanie in der Turnhalle und Eiskeller. Wachtlokal im unteren Zimmer des Mädchenschulgebäudes am Kirchplatz. – Durch die Einquartierung besteht zurzeit ein Mangel an möblierten Zimmern. Wer solche für Militärpersonen noch zu vergeben hat, wird ersucht, dies in der Polizeiwache zu melden.“

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Einstellung des Schnellzugverkehrs

„Zur möglichst ungestörten Durchführung der Demobilmachung ist der Schnellzugverkehr völlig eingestellt. Wahrscheinlich wird auch der Personenzugverkehr auf einzelnen Strecken bis auf weiteres eingestellt werden. Im Güterverkehr werden ebenfalls Einschränkungen eintreten. Doch wird der Milch- und Nahrungsmitteltransport und werden die Kohlenzüge unter allen Umständen ohne jede Einschränkung aufrechterhalten. Da auch die Beförderung der Briefpost eng mit dem Personenverkehr zusammenhängt, so muß auch bei der Briefpostbeförderung mit Verzögerungen gerechnet werden. […]“

Zivil- statt Militärstoffe

„Wie überall im Deutschen Reiche so ruht auch hier seit gestern die Herstellung von Militärstoffen. Am 14. Nov. traf eine militärische Verfügung ein, derzufolge die Anfertigung von Militärstoffen sofort einzustellen und die von Stoffen für Zivil aufzunehmen ist. Nicht nur die vorhandenen Rohstoffe sollen zu Zivilanzugstoffen verarbeitet werden, sondern es soll auch die modefarbene Umfärbung der schon fertiggestellten Militärtuche in Zivilstoffe erfolgen. Da die vorhandenen Rohstoffe und Tuchmengen nicht unerheblich sind, so steht zu hoffen, daß die dringendste Stoffnot wenigstens so lange gemildert werden kann, bis aus dem Auslande wieder Rohstoffe für Anzüge eingeführt werden.“

Beschlagnahmungen zu Gunsten Armer und Schwacher

„[…] In Nr. 259 des Neustädter Kreisboten erschien ein Eingesandt, worin die Frage laut wurde, was mit den beschlagnahmten Sachen würde. Diese beschlagnahmten Waren bestehen zum größten Teil  aus rationierten Lebensmitteln, welche durch unerlaubten Aufkauf der Allgemeinheit entzogen werden. Die Behörden führen diese Waren dem amtlichen Aufkäufer restlos zu und dieser ist verpflichtet, dieselben zu den bekannten Höchstpreisen an die Käufer ohne Unterschied des Standes abzugeben. Handelt es sich um leicht verderbliche Waren, so werden dieselben gleich an Ort und Stelle freihändig verkauft. Auch sind wiederholt seit einiger Zeit ein Teil der beschlagnahmten Waren den Armen und Kranken des Bezirks kostenlos überwiesen worden, bei welcher sehr bewährten Regelung es auch fernerhin bleiben soll.“

Handgranatenwerfen und Mühlenverkauf

Aus der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 1.11.:

„2. […] Der Gruppenleiter der Jugendkompanie 88 bittet um Ueberlassung eines Teiles des Spielplatzes am Schießhause. Begründet wird das Gesuch damit, daß die Kompanie zum Handgranatenwerfen keinen geeigneten Platz besitzt. Es wird nur ein 10 m breiter Streifen des von der Stadt an Hrn. Ferd. Beßer verpachteten Feldgrundstücks gewünscht. Der Ueberlassung wird auf längstens ein Jahr stattgegeben.“

„6 […] Die [Erls]Mühle ist vorbehaltlich der Genehmigung des Gemeinderats an den Mühlenbesitzer Hrn. Karl Dreßler in Theißen bei Gera für 65 000 Mk. verlauft worden. […] Der Käufer tritt an Stelle der Stadt in das mit dem Pächter abgeschlossene Pachtverhältnis ein. Bezüglich der Grundstücke behält sich die Stadt das Wiederkaufsrecht zu bestimmten Preisen (500-1000 Mk.) für den Acker vor. Die entstehenden Kosten und Reichssteuern hat der Käufer zu tragen. Auch das Betreten der Grundstücke steht den Vertretern der Stadt zu. Der abgeschlossene Kaufvertrag wird einstimmig genehmigt. […]“

Keine Schule wegen Grippe

„Die Grippe-Erkrankungen haben in unsrer Stadt beträchtliche Ausdehnung angenommen. Auch Schulkinder sind vielfach daran erkrankt, in der Bürgerschule ist nicht eine Klasse, die davon nicht betroffen wäre, in manchen Klassen fehlen bis zu ein Drittel der Schüler. Die Lehrer blieben bis auf einige wenige Fälle bisher von der Krankheit verschont. Von zuständiger Stelle ist nunmehr angeordnet worden, daß die Bürger- und Fortbildungsschule von nächstem Montag ab bis auf weiteres geschlossen bleibt.“