Mord und Selbstmordversuch

„Der wegen Entwendung und Ausraubung von Postsendungen des Dienstes beim hiesigen Postamt enthobene Oberpostassistent Hammes hat im Laufe der vergangenen Nacht einen Selbstmordversuch ausgeführt. Er hat sich mit einem Revolver in den Kopf geschossen, die Kugel, die anscheinend in die Schläfe gehen sollte, ist aber etwas tiefer eingedrungen und hat den Tod nicht herbeigeführt. Die 27jährige Stieftochter H.‘s, die, da dieser von seiner Frau geschieden war, seinem Haushalt vorstand, wurde entseelt vorgefunden. Der Tod war durch einen Schuß in die Schläfe eingetreten, außerdem wies die Leiche Schnittwunden an beiden Armen in der Gegend der Pulsader auf. Man nimmt an, daß H. das Mädchen mit ihrem Einverständnis getötet hat, um dann selbst aus dem Leben zu scheiden. Auch der Hahn der Gaslampe war geöffnet. Der schwerverletzte H. wurde nach dem Krankenhaus gebracht. An seinem Auskommen wird gezweifelt.“

Anm.: Wenige Tage später, am 27. Dezember 1917, verstarb er in der Landesheilanstalt Jena.

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Federnde Bereifung

„Die Besitzer von Kraftfahrzeugen sind auf die Benutzung federnder Bereifung zu verweisen. Vom 1. Januar 1918 ab wird die Heeresverwaltung Gummibereifung überhaupt nicht mehr freigeben. Von diesem Zeitpunkte an dürfen Gummibereifungen nur noch benutzt werden, soweit sie für militärische Kraftfahrzeuge nicht brauchbar sind; alle übrigen unterliegen der Einziehung. Die Kraftfahrzeugbesitzer werden daher gut tun, wenn sie die Weiterbenutzung ihrer Fahrzeuge gesichert wissen wollen, diese rechtzeitig mit sogenannter federnder Bereifung zu versehen.“

Tuchfabrikant Fritzsche wird Ehrenbürger

„Einen Beschluß, den man in weiten Kreisen mit Freuden aufnehmen wird, faßte unser Gemeinderat gestern noch in vertraulicher Sitzung. Es wurde nämlich einstimmig beschlossen, Herrn Tuchfabrikbesitzer Richard Fritzsche hier in Anerkennung seines langjährigen, uneigennützigen Wirkens zum Wohle der Stadt und seiner Verdienste, die er sich um die Stadt erworben hat, das Ehrenbürgerrecht von Neustadt zu verleihen. Wir sprechen dem neuen Ehrenbürger zu der wohlverdienten Ehrung unsern herzlichsten Glückwunsch aus!“

Bierstreckung

„Der schlechte Ausfall unsrer Gerstenernte macht es notwendig, das in Verbraucherkreisen schon heute wenig beliebte Einfachbier noch ‚einfacher‘ zu machen. Der Zentralausschuß für Inlandsbierversorgung hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Brauereien zu empfehlen, sich die allgemeine Einführung eines Einfachbieres mit einem Stammwürzegehalt von nicht mehr als 2 Proz. angelegen sein zu lassen. Der Zentralausschuß nimmt an, daß sich die Brauereien nur schweren Herzen zu einer solchen Maßnahme entschließen würden.“

Backöfen bleiben kalt

„Bekanntmachung. Auf Grund der §§ 12, 13 und 14 der Bundesratsverordnungen vom 25. September und 4. November 1915 über die Versorgungsregelung […] wird für den V. Verwaltungsbezirk bestimmt:

  1. Das Ausbacken von Bäckerei= und Konditoreiwaren an Dienstagen, Freitagen und Sonntagen ist verboten.
  2. Backöfen dürfen an Dienstagen, Freitagen und Sonntagen zu Backzwecken nicht befeuert werden.
  3. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen werden mit Geldstrafe bis zu fünfzehnhundert Mark oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Bäcker haben im Zuwiderhandlungsfall außerdem die Schließung ihres Bäckereibetriebes zu gewärtigen.
  4. Die Verordnung tritt am 1. Dezember 1917 in Kraft. […]“

Lederfabrik abgebrannt

„Vergangene Nacht wurde unsere Stadt von einem größeren Schadenfeuer heimgesucht. In der 12. Stunde verbreitete sich am Himmel ein starker Feuerschein, der über der inneren Stadt abgegrenzt schien, so daß man, da nirgends ein Brandherd bemerkbar war, glaubte, eine nordlichtähnliche Erscheinung vor sich zu haben. Dem war aber leider nicht so. Der Schein rührte vielmehr von einem Feuer her, das in der am Nordwestrande der Stadt gelegenen Lederfabrik der Herren Gebrüder Ehrhardt ausgekommen war. Die Flammen fanden an den zur Gerberei gebrauchten Fetten und dergl. reichliche Nahrung und breiteten sich rasch über das längsgestreckte Fabrikgebäude aus. Dieses brannte bis auf die Umfassungsmauern vollständig nieder, nur die Räume mit den Gruben und das Rohlederlager blieben erhalten. Auch das Wohnhaus wurde durch das Feuer und die Wassermassen erheblich beschädigt. […]“

Anm.: Die Fabrik wurde 1918 wieder aufgebaut.

Lederfabrik Ehrhardt „hinterm Schützenplatz“ 1936, heutige Dimitroffstr. 14 (Stadtarchiv, Fotosammlung Dr. Ehrlicher)

Schweinchenmangel

„Auf dem heutigen Wochenmarkte war nicht ein einziges Schweinchen zum Verkauf gestellt. Ob die Schuld an dem Fehlen der begehrten Tiere mit den Ringelschwänzchen auf den auf einen Dienstag fallenden Markttag oder auf die sehr berechtigte Anordnung unsrer Polizeiverwaltung, das Gewicht aller zum Verkauf gelangenden Saugschweine durch Wiegen festzustellen, zurückzuführen ist, muß dahingestellt bleiben. Es liegt doch sicher im Interesse der Käufer wie Verkäufer, daß die ganz annehmbaren Höchstpreise eingehalten werden. Die Sicherheitsorgane werden überall streng darauf sehen, daß durch das Aufsuchen der ländlichen Verkäufer keine Ungehörigkeiten vorkommen.“