Amerikanisches Schweinefleisch

„Zur Beseitigung des Beigeschmacks des amerikanischen Schweinefleisches wird nachstehendes Sachverständigen-Rezept empfohlen: Das amerikanische Schweinefleisch ist zunächst in lauwarmen Wasser zu waschen und dann ungefähr fünf Stunden in warmem Wasser liegen zu lassen. Hierauf ist das Fleisch 12 bis 15 Stunden in kaltes Wasser zu legen. Sehr zu empfehlen ist, dem kalten Wasser etwas übermangansaures Kali beizumengen. Fleisch und Speck können hierauf geräuchert, gekocht und gebraten werden. Durch diese Behandlung verliert das Fleisch jeden Beigeschmack.“

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Gesamtstaat steht vor der Tür

„Der Zusammenschluss der thüringischen Staaten ist jetzt so weit gediehen, daß sich der provisorische Staatsrat von Thüringen in seiner letzten Sitzung bereits mit den Fragen der künftigen Verfassung Thüringens und seiner Verwaltungsorganisation befassen konnte und hierfür einen vorbereitenden Ausschuß einsetzte. Das ist ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die Vorverhandlungen nun so weit fortgeschritten sind, daß der Staatsrat bald mit sichtbarer Arbeit für Thüringen an die Oeffentlichkeit treten kann. Damit werden wohl auch die hier und da aufgetauchten Zweifel am Zustandekommen Thüringens verstummen, die hauptsächlich durch irrige Zeitungsnachrichten, einer Pressestelle in Halle, die für den Anschluß Thüringens an Preußen wirbt, erregt und wachgehalten wurden. Die von Halle aus betriebene Propaganda, die keine Mittel scheut, um den Thüringern den Glauben an einen eigenen Gesamtstaat zu nehmen, wird außerdem bald an Boden verlieren, weil jetzt auch in Thüringen im Thüringer Presseamt eine Stelle geschaffen ist, die diesen Pressetreibereien entgegentritt. Dass die thüringischen Staaten fest entschlossen sind, sich auch ohne die preußischen Gebietsteile und ohne Rücksicht auf eine etwa infolge der Agitation aus Preußen eingetretenen schwankenden Haltung eines Einzelstaates zusammenzuschließen, geht aus dem im Staatsrat einmütig gebilligten Nachtrag zum Gemeinschaftsvertrag hervor, der voraussichtlich im Laufe eines Monats in den Einzellandtagen angenommen wird und die feste Grundlage des künftigen Gesamtstaates Thüringen schafft. Der Gesamtstaat Thüringen steht also vor der Tür.“

Neustädter Amtsgerichtsrat

„Von der Staatsregierung wurde Hrn. Amtsrichter Dr. Schauer hier die Dienstbezeichnung ‚Amtsgerichtsrat‘ verliehen.“

Georg August Schauer wurde am 16. August 1873 als Sohn des Bürgermeisters Hermann Schauer in Bürgel geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Jena legte er die erste und zweite Staatsprüfung jeweils am Oberlandesgericht in Jena ab und promovierte in Erlangen zum Dr. jur. Am 1. Januar 1908 kam er aus Apolda, wo er als Gerichtsassessor beim Bezirksdirektor und Amtsanwalt tätig war, nach Neustadt an der Orla. Hier ernannte man ihn zum Amtsrichter am hiesigen Amtsgericht und verlieh ihm im Mai das Bürgerrecht der Stadt Neustadt.
Dr. Schauer engagierte sich als Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Sparkasse, im Gemeinderat und verschiedenen Ausschüssen. Von 1919 bis 1921 war er Mitglied im Landtag Sachsen-Weimar-Eisenach bzw. der Gebietsvertretung Weimar, 1919 bis 1920 stellvertretendes Mitglied des Volksrats von Thüringen als Abgeordneter des Freistaats Sachsen-Weimar-Eisenach. Am 14. Mai 1958 starb Dr. Schauer in Neustadt an der Orla, in den Räumen des Arnshaugker Schlosses. Er hinterließ seine Frau Marie Magdalene geb. Krünitz, die er 1928 in Dreitzsch geheiratet hatte.

Regulierte Mietpreise

„Bekanntmachung. Auf Grund der Ermächtigung des Ministeriums des Innern vom 21. August 1919 […] ordnen wir an: Jeder Abschluss eines Mietvertrags über Wohnräume, Läden und Werkstätten ist binnen einer Woche nach Abschluß des Vertrags vom Vermieter dem Gemeindevorstand schriftlich anzuzeigen. […]
Wer vorsätzlich eine Anzeige nicht rechtzeitig erstattet oder wesentliche unvollständige Angaben macht, wird auf Grund der angezogenen Ministerialverordnung mit Geldstrafe bis zu 1000 M. bestraft.
Uebersteigt der vereinbarte Mietzins den Betrag, der für Wohnräume, Läden oder Werkstätten der gemieteten Art und Ausstattung unter Berücksichtigung der Nebenleistungen des Vermieters üblich und angemessen ist, so kann sowohl die Gemeindebehörde innerhalb einer Woche nach Eingang der Anzeige, als auch der Mieter bis zum Ablauf zweier Wochen nach Abschluß des Vertrags bei dem Mieteinigungsamt beantragen, daß der Mietzins auf angemessene Höhe herabgesetzt wird. […]“

Bauern bekommen Dresche

„Mit der Bitte um Aufnahme geht uns folgender Artikel zu: Herm. Focke-Köckritz schreibt u. a.: Die Zumutung an die Landwirte, nachts oder Sonntags zu dreschen, ist so recht bezeichnend für unsere Zeit. Jeder andere darf ja nicht mehr als 8 Stunden während des Tages arbeiten. Der Bauer aber mag ruhig 18 Stunden im Sonnenbrand sein Tagewerk verrichten, er kann dann auch noch nachts oder Sonntags sein Getreide ausdreschen, damit der Städter keinen Mangel leidet. Wenn er aber so vermessen ist, für diese Leistungen einen entsprechenden Lohn zu verlangen, so ist er ein begehrlicher Agrarier, ein Wucherer, oder gar noch Schlimmeres. […] Trotzdem dieser fast ausnahmslos seine Pflicht tut, hat man ein Gesetz geschaffen, laut welchem bei nicht ordnungsgemäßer Bewirtschaftung dem Betreffenden die Leitung seines Betriebes entzogen wird. Alles, was er erzeugt, wird dem Landwirt zwangsweise abgenommen, das Vieh, Getreide und Kartoffeln, allerdings mit Ausnahme von dem, was nicht schon während der Ernte gestohlen wird. Das übrige wird dann noch mehrmals nachgeprüft und verkürzt und der Rest vielfach auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Einbruchs beseitigt. Dem Landwirt gegenüber fehlt es auch nicht an Mitteln und Wegen, dem Gesetz Nachdruck zu verschaffen.“

Liebhaber im Kleiderschrank

„Ein Vorgang, der von der Nachbarschaft mit Interesse beobachtet wurde, bei den Betroffenen aber keine Freude hervorrief, spielte sich in der Nacht vom Sonntag zu Montag in der Börthner Straße ab. Bei einer dort wohnhaften Kriegerfrau, deren Mann sich noch in der Gefangenschaft befindet, hielt sich ein Liebhaber auf, der früher als Unteroffizier bei den 172ern stand und seit seiner Entlassung in Pößneck arbeitet. Unsere Polizei hatte davon aber Wind bekommen und störte das süße Stelldichein. Natürlich war der Liebhaber unsichtbar, als der Wachtmeister nach ihm forschte. Der Beamte ließ sich aber nicht verblüffen und verlangte die Öffnung eines Kleiderschrankes. Da sollte nun der Schlüssel nicht vorhanden sein. Erst als der Beamte drohte, den Schrank umzustürzen, fand er sich und siehe da, als die Schranktür geöffnet wurde, entstieg dem finsteren Behälter der gesuchte Liebhaber. Zu seinem Leidwesen mußte er dem ‚freundlichen‘ Ersuchen, die Wohnung sofort zu verlassen, Folge leisten.“