Hörner blasen zur Rückkehr ins Felde

„Gestern nachmittag nach 4 Uhr rückte die angesagte Einquartierung in unsrer Stadt ein. Es war die 1. und 3. Kompagnie eines Ersatzbataillons aus Jena. Die Feldgrauen waren morgens 5 Uhr in Jena aufgebrochen, der Marsch ging zunächst bis Kahla, von da über Seitenroda und Seitenbrück. In dieser Gegend wurden Felddienstübungen abgehalten. Abgekocht wurde auf freiem Felde bei Fröhlichen Wiederkunft. Von da ging es dann bis nach Neustadt. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Leute schon im Felde gewesen, aus dem sie als Verwundete zurückgekommen waren. Nun sind sie soweit wieder hergestellt, daß demnächst ihre Zurückberufung ins Feld zu erwarten steht. Heute früh ¾ 5 Uhr bliesen die Hornisten den bekannten Weckruf in den Straßen der Stadt. ¾ 6 Uhr traten die Kompagnien auf dem Marktplatze an und gegen 6 Uhr erfolgte der Abmarsch in der Richtung Roda.“

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Krieg macht hungrig

„Trotz der englischen Aushungerungskur hat ein feldgrauer Fleischer aus Auma, der bereits vor Eintritt ins Heer 2 Zentner wog, im Felde noch so beträchtlich zugenommen, daß er mit seinem Schmachtriemen zwei kräftige gefangene Franzosen umspannen konnte. Er sandte seinem Vater eine Ansichtskarte, auf der diese Messung im Bilde festgehalten ist.“

Hunde an die Front

„Hunde heraus! In der Jagdzeitung von ‚Wild und Hund‘ veröffentlicht Major Becker, Kommandeur eines Ersatz Bataillons des 4. Garderegiments zu Fuß einen Aufruf, in welchem es u. a. heißt: Ihr Hundebesitzer, bringt zu den vielen Opfern, die ihr in dieser schweren Zeit des Kampfes um unsere deutsche Heimat schon gebracht, auch dieses noch und schickt uns eure entbehrlichen und geeigneten Hunde! Unsere braven Feldgrauen in den fernen Schützengräben Frankreichs, Rußlands und Serbiens werden immer Dank wissen, und mancher Posten in einsamer wilder Gegend, in finsterer Nacht wird sein Leben und seine Soldatenehre als treuer Hüter seiner von den Kämpfen des Tages ruhenden Kameraden nur eurem braven Hunde danken. Auch haben unsere Feldgrauen, namentlich im Westen, unausstehliche Belästigungen durch die Ratten zu ertragen. Gegen diese widerlichen Geschöpfe ist der Kampf mit allen Mitteln aufgenommen, leider aber noch nicht mit durchschlagendem Erfolg. Sehr dankbar wird deshalb auch die Uebersendung von Ratten fangenden Hunden begrüßt.“

Bezirksvorsteher als Butterverkäufer

„Beim heutigen städtischen Butterverkauf war der Geschäftsbetrieb wieder ein recht reger. Zwei Gemeinderatsmitglieder hatten ihre Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache gestellt, indem sie fleißig die Butter pfundweise abwogen, während ein Bezirksvorsteher sich dem Verkaufsgeschäft widmete. Das Pfund wurde mit 2,20 Mk. verkauft. Die Güte der Butter wird allseitig gelobt. Die meisten Hausfrauen sind froh, auf diese Weise wenigstens in den Besitz dieses unentbehrlichen Nahrungsmittels gelangen zu können, das auf den hiesigen Wochenmärkten sehr rar ist.“

Gerüchte von der Front

„Ein Mahnwort. Wie daheim so wird auch draußen im Feindesland manches geredet und geschrieben was besser unterbliebe. Hat ein Krieger den Heldentod gefunden, so erfährt die Heimat meist viel eher, als es der Truppenteil oder gar die Verlustliste meldet. Irgend einen Bekannten aus der Heimat hat ja fast jeder in der Kompagnie, und wenn nicht, so fragen sie von zu Hause schon, wer sind denn deine Nebenmänner, und wer ist denn aus unserer Gegend mit dort bei dir. So findet sich immer eine Hand, die den schweren Brief ans Heimathaus schreibt. Es kommen aber auch Botschaften herein, freilich nicht an die Nächstangehörigen, da heißt es, der und der soll auch gefallen sein, sagt es aber einstweilen nicht weiter. Dies hat natürlich den Erfolg, daß das Gerücht unter diesem Vorbehalt nur desto rascher läuft und zuletzt, wenn es alle wissen, auch die Familie des Betreffenden erfährt. Gesehen hat der schreibende Kamerad nichts nur gehört von einem anderen, der aber auch nicht Zeuge war. Daheim nun leben sie in der Seelenqual sondergleichen, die von Tag zu Tag sich steigert, zumal wenn gerade die Feldpost irgendwo einmal gesperrt war. Und dann wars ein Irrtum, eine Verwechslung, ein Geschwätz. Drum schreibt von draußen nur, was ihr selbst gesehen oder von einem Augenzeugen gehört habt und ihr daheim redet nur das, dessen Quelle auch bekannt und unverdächtig ist, so nehmt ihr dieser Zeit der Not einen giftigen Stachel und erspart vielen viel Herzeleid.“

Kriegsvortragsabend

„Der gestern abend vom Gewerbe= und Bildungsverein im Schießhause abgehaltene erste Kriegsvortragsabend im beginnenden Winterhalbjahr war gut besucht. Dr. Archidiakonus Dünnebier begrüßte die Erschienenen. Er führte dann aus, daß seit dem letzten Kriegsvortragsabend ein halbes Jahr verflossen ist, daß aber die damals im stillen gehegte Hoffnung, im Winterhalbjahre würden keine Kriegsvortragsabende mehr veranstaltet zu werden brauchen, weil dann inzwischen der Friede eingekehrt sein würde, leider nicht in Erfüllung gegangen sei, im Gegenteil, der Kriegsbrand habe noch weiter um sich gegriffen. […] Größere Sorge bereite uns die Frage der Ernährung unseres Volkes und es müsse unsere Stimmung bedrücken, wenn es Kreise gäbe, die den durch den Krieg geschaffenen Notstand, in wucherischer Weise auszubeuten versuchten. […] Ueber die Kriegslage verbreitete sich dann Hr. Diakonus Herrmann in längeren Ausführungen. Er gab einen Rückblick auf die gesamten Kriegs-Ereignisse im Westen und Osten. […] Die drei hiesigen Geistlichen beabsichtigen in ihren Bezirken alle 14 Tage Kriegslese- und Besprechungsabende abzuhalten. Sie sind in Molbitz und Burgwitz bereits eingeführt und haben dort guten Anklang gefunden. Der erste dieser Abende findet nächsten Donnerstag statt und zwar für die einzelnen Bezirke getrennt in den Gastwirtschaften von Liebold [Anm.: Börthener Straße 43, heute August-Bebel-Straße], im Eiskeller [Eiskellerplatz 1] und Rheingold [Storchspforte 2]. Zu allen diesen Veranstaltungen wurde herzlich eingeladen.“

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Liebold’s Bierstübl in der Hindenburgstraße 1938,vormals Börthener Straße, jetzt August-Bebel-Straße (Stadtarchiv, Fotosammlung Dr. Ehrlicher)

Kriegsgefangene als Erntehelfer

„Zur Einbringung der bevorstehenden Ernte sollen in weitgehendstem Maße Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeitgeber haben zu liefern: Unterkunft, Verpflegung, Arbeitsvergütung in Höhe von 40 Pfg. für den Tag, Eisenbahn- und Transportkosten. Es soll dabei streng beobachtet werden, daß freie Arbeiter dadurch nicht erwerbslos gemacht werden oder ihnen Wettbewerb gemacht wird.“