Brand in Neunhofen

„Nach der Schwüle des gestrigen Tages zog über unsere Gegend in der 8. Abendstunde ein erfrischendes und belebendes Gewitter. Es kam aus westlicher Richtung; weit unterhalb Pößnecks beginnend, traf es ziemlich heftig in dem ganzen Geländestrich bis weit östlich von uns auf. Die Dauer war nur eine kurze, doch stürzten, vom Sturm gepeitscht, gewaltige Wassermassen herab. Gegen 8 Uhr war schon fast alles vorüber. Leider hatte ein Blitzstrahl die vor Jahren erst neuerbaute, umfangreiche Scheune des Landwirts und Fleischers Hrn. Alwin Poser im benachbarten Neunhofen getroffen und gezündet. Die sofort emporzüngelnden Flammen äscherten Scheune und Stallgebäude bis auf die Umfassungsmauern ein. Der Schaden ist beträchtlich, da die ganze diesjährige Heuernte mit verbrannt ist. Das Vieh konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Bei allem Unglück, das über die Familie Poser durch den Brand gekommen ist, waltet doch ein glücklicher Zufall insofern, daß man mit dem Abladen des letzten Fuders Heu gerade kurz vor dem Einschlagen des Blitzes fertig geworden war, sonst hätten auch noch Menschenleben vernichtet werden können.“

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Pommerleede in Flammen

„Die anmutig im Tale unweit des Waldes hinter Bäumen versteckte Pommerleede stand, wie uns mitgeteilt wird, heute mittag in Flammen. Ob es gelungen ist, die Flammen zu löschen, ehe das Gebäude zerstört wurde, konnten wir nicht erfahren. Es wäre zu schade, wenn das von der Stadt aus zu allen Jahreszeiten gern besuchte Anwesen, bei dessen freundlichen Wirt, Hrn. Hermann Schweitzer, man jederzeit liebenswürdige Aufnahme fand, vom Feuer vernichtet wurde. Hr. Hermann Schweitzer hatte es verstanden, seiner Pommerleedenwirtschaft die alte biederdeutsche Eigenart mit ihrer wohligen Ruhe und ihren gemütvollem Wesen zu erhalten und in die Gegenwart hinüber zu retten. Aus diesem Grunde war auch die Pommerleede weit und breit rühmlich bekannt.“

Am nächsten Tag meldete der Kreisbote:

„Von der Pommerleede ist bei dem gestrigen Brande noch der älteste Teil mit dem Gastzimmer erhalten geblieben, während der neuere Teil mit der nach Osten gelegenen Halle völlig den Flammen zum Opfer gefallen ist. Man nimmt allgemein böswillige Brandstiftung als vorliegend an. Mit den Ausbesserungsarbeiten an dem stehengebliebenen Gastzimmer wird baldigst begonnen werden und Hr. Schweitzer hofft, demnächst den Betrieb, wenn auch vorläufig in beschränktem Maße, wieder aufnehmen zu können.“

Böses Ende der Osterfeiertage

„Ausnehmend schönes Wetter hatten wir diesmal die Osterfeiertage […]. Leider sollten die fröhlichen Festtage mit einem Mißklang enden. Gerade als sich die festlichen Veranstaltungen ihrem Ende zuneigten und sich die Ballsäle allmählich zu leeren begannen, da ertönte morgens gegen ½ 3 Uhr der Ruf Feuer. […] die Stätte des Unheils […] befand sich im östlichen Stadtteile, in der Bismarckstraße. Lichterloh brannte dort das dem Herrn Rentier Herrmann Hagner gehörige Haus, das daneben gelegene Wimmler´sche Haus und einige dahinter gelegene Scheunen. [Anm.: Es handelt sich u.a. um die Häuser Bismarckstraße 19 und 21., heutige Ernst-Thälmann-Straße 21, die mit dem Wiederaufbau verbunden wurden] […] Als ein Wunder ist es zu betrachten, daß niemand verletzt wurde, als der Westgiebel der Rich. Böttcher´schen Scheune in das von der Bismarckstraße nach dem Fürstengarten führende Gäßchen abstürzte. Völlig niedergebrannt sind die Hagner´schen und Wimmler´schen Häuser, sowie die Scheunen des Herrn Baumeister Böttcher, des Herrn Kaufmann Seydel, des Herrn Seifensiedemeisters Müller und der Frau Hofmaurermeister Böttcher. Das Hagner´sche Haus war von vier Mietern bewohnt, die so gut wie nichts retten konnten. […] Alle edeldenkende Menschen werden freundlichst ersucht, sofort helfend einzugreifen. […]“

Schadenfeuer am Eiskellerplatz

„Unsere infolge des herrlichen Wetters gestern nachmittag recht menschenleere Stadt wurde gegen 5 Uhr durch das Anschlagen der Feuerglocke in Aufregung versetzt. In dem am Eiskellerplatze belegenen Hause des Fleischermeisters und Materialwarenhändlers Hr. Walter Steenbock [Anm.: Am Eiskellerplatz 4] war auf unaufgeklärte Weise Feuer entstanden. Von den Bewohnern selbst war niemand im Hause anwesend. Hr. Steenbock, der im Eiskeller beruflich beschäftigt war und kurz zuvor das Haus verlassen hatte, eilte, als er Kenntniß von dem Ausbruch des Brandes erhielt, rasch herbei. Durch hilfsbereite Hände konnte das Mobiliar und einige Warenvorräte in Sicherheit gebracht werden. Der Feuerwehr gelang es bald, des Feuers Herr zu werden. Das Steenbock’sche Anwesen ist größtenteils zerstört, die benachbarten Häuser des Hrn. Rentier C. F. Oehlschlägel und von Meyers Erben wurden beschädigt. Hrn. Steenbock […] erwächst erheblicher Schaden, der um so empfindlicher ist, als der Geschäftsbetrieb durch das Brandunglück eine Störung erleidet. […]“

Schlagmühle abgebrannt

„Heute früh [19. Dezember] gegen 5 Uhr ist die im Mühlengrunde unterhalb Neunhofen gelegene Schlagmühle eingeäschert worden. Das Feuer ist in der Scheune ausgekommen, es verbreitete sich mit großer Schnelligkeit auf Nebengebäude, Wohnhaus mit Mahlmühle und die Oehlmühle. Von dem ganzen Anwesen steht nur noch das alte Gartenhaus. Der Besitzer, Herr Wilh. Koppe, nebst seiner Familie befanden sich im tiefsten Schlafe und mußten erst geweckt werden. Das Vieh konnte in Sicherheit gebracht werden. […]“

Schlagmühle nach Brand 1912
Schlagmühle nach dem Brand (Foto: Heimatfreunde Neustadt a.d. Orla)

„Schöne Aussicht“ abgebrannt

„Unser Nachbarort Döhlen wurde vergangene Nacht von einem Schadenfeuer heimgesucht, welches die Schankwirtschaft ‚Zur schönen Aussicht‘ vollständig einäscherte. Das Feuer scheint gegen 11 Uhr nachts ausgekommen zu sein. Da in der Wirtschaft keine Gäste anwesend waren, waren der Wirt, Hr. Heuschkel und seine Frau am Abend zu einem in einer Neustädter Wirtschaft abgehaltenen Kaffeekränzchen gegangen. Hr. Heuschkel hat etwas später als seine Frau das Haus verlassen. Er behauptet, bei seinem Weggange das Licht gelöscht und die Haustür abgeschlossen zu haben. Die nach dem Ausbruch des Feuers herbeieilenden Leute fanden die Haustür geöffnet und das Licht in der Hausflur brennend. Die hiesige Feuerwehr eilte später mit einer Spritze zum Löschen herbei. Doch konnte sie nichts mehr retten, da bei ihrer Ankunft alles in Flammen stand und Nachbargebäude nicht zu schützen waren. Wie das Feuer entstanden ist, ist noch unaufgeklärt. Die Großh. Gendarmerie verhaftete den Wirt. Im Laufe des heutigen Vormittags nahm das Amtsgericht eine Besichtigung der Brandstätte und Zeugenvernehmungen an Ort und Stelle vor.“

Bäckereibrand

Brandstätte (Repro Helmut Näder, Stadtarchiv)

„Vergangene Nacht kurz nach ½ 1 Uhr wurde die Bewohnerschaft unserer Stadt durch Feuerlärm aus dem Schlafe aufgeschreckt. Im Hintergebäude des Herrn Bäckermeister Max Zinkel war diesmal der Brandherd [Anm.: Marktplatz 9]. Die Flammen fanden an dem Holzwerk des alten Gebäudes reiche Nahrung und sprangen bald auf das benachbarte Hänseroth´sche Haus [Topfmarkt 1] und das Zinkel´sche Vorderhaus über. […] Die alsbald eintreffende Feuerwehr nahm die Bekämpfung der Flammen von mehreren Seiten auf und dank der Ausgiebigkeit unserer städtischen Wasserleitung gelang es, dem Weiterumsichgreifen des entfesselten Elements Einhalt zu gebieten. Gänzlich zerstört sind die Zinkel´schen und Hänseroth´schen Wohnhäuser, beschädigt die Knabe´schen und Pilling´schen Häuser. Gerettet konnte bei dem raschen Umsichgreifen der Flammen sehr wenig werden, sodaß der Schaden für die Betroffenen recht empfindlich ist. Im Parterre des Knabe´schen Hauses befinden sich die Geschäftsräume der hiesigen Filiale der Bank für Thüringen. Doch erleidet deren Geschäftsbetrieb durch den Brand keine Unterbrechnung. Wie das Feuer entstanden ist, ist noch unaufgeklärt. Das Großherzogliche Amtsgericht nahm im Laufe des Vormittags bereits eine Besichtigung der Brandstätte vor. […]“

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