Feuerwehrpflicht

„Bekanntmachung. Alle männlichen Einwohner hiesiger Stadt im Alter von 23 bis 36 Jahren, mit Ausnahme derjenigen, welche zur Zeit bei der Feuerwehr eingereiht sind, oder als ständige Kesselwärter und Heizer in Fabriken oder als Geschirrführer bei hiesigen Gespannbesitzern beschäftigt sind, werden hiermit auf Grund des Gesetzes über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1881 bzw. Nachtrags zu dem Ortsstatut vom 22. Juni 1910 aufgefordert, sich bis zum 15. Januar 1914 behufs Eintragung in das Verzeichnis der Feuerwehrpflichtigen bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 30 Mark, an deren Stelle eventuell entsprechende Haftstrafe tritt, im Einwohnermeldeamt des Rathauses, 2 Treppen, anzumelden. Diejenigen Feuerwehrpflichtigen, welche sich loskaufen wollen, haben dies ebenfalls bis zum 15. Januar 1914 bei Verlust dieser Befugnis bei uns anzuzeigen. […]“

Advertisements

Gekonntes Ausweichmannöver

„Eine aufregende Szene, die zum Glück noch gut abgelaufen ist, trug sich gestern morgen gegen 8 Uhr, als die hiesige Feuerwehr von einer Uebung zurückkehrte, zu. Eine Mannschaftsabteilung kam mit einer Landspritze in schneller Fahrt die Bachgasse herunter während in der Karl-Alexanderstraße [Anm.: heutige Ernst-Thälmann-Straße] von der Pößneckerstraße her, ein mit 3 Personen besetztes Auto kam. Ein Zusammenstoß wäre unvermeidlich gewesen, wenn es nicht der Geistesgegenwart des Chauffeurs, der den Wagen bremste, und schnell umbog, gelungen wäre dies zu vermeiden. Hierdurch hob sich der Hinterteil des Autos bedenklich, und der Wagen drohte sich zu überschlagen. Wie durch ein Wunder sind jedoch alle mit dem bloßen Schrecken davongekommen.- Der Vorfall wird hoffentlich Veranlassung sein, daß der betr. sowie alle Zugführer von zuständiger Stelle Anweisung erhalten, bei Wegkreuzungen in Zukunft die nötige Vorsicht walten zu lassen. Es wäre zu empfehlen, wenn jeder Spritze ein Mann vorausgesandt würde, um, wenn nötig, zur rechten Zeit ein Zeichen zum Halten geben zu können. Das Kommen unserer Feuerwehr hat halt nicht dieselbe Wirkung wie das Kommen der Großstadtfeuerwehr, bei deren Signalen der ganze Verkehr zu stocken hat.“

„Schöne Aussicht“ abgebrannt

„Unser Nachbarort Döhlen wurde vergangene Nacht von einem Schadenfeuer heimgesucht, welches die Schankwirtschaft ‚Zur schönen Aussicht‘ vollständig einäscherte. Das Feuer scheint gegen 11 Uhr nachts ausgekommen zu sein. Da in der Wirtschaft keine Gäste anwesend waren, waren der Wirt, Hr. Heuschkel und seine Frau am Abend zu einem in einer Neustädter Wirtschaft abgehaltenen Kaffeekränzchen gegangen. Hr. Heuschkel hat etwas später als seine Frau das Haus verlassen. Er behauptet, bei seinem Weggange das Licht gelöscht und die Haustür abgeschlossen zu haben. Die nach dem Ausbruch des Feuers herbeieilenden Leute fanden die Haustür geöffnet und das Licht in der Hausflur brennend. Die hiesige Feuerwehr eilte später mit einer Spritze zum Löschen herbei. Doch konnte sie nichts mehr retten, da bei ihrer Ankunft alles in Flammen stand und Nachbargebäude nicht zu schützen waren. Wie das Feuer entstanden ist, ist noch unaufgeklärt. Die Großh. Gendarmerie verhaftete den Wirt. Im Laufe des heutigen Vormittags nahm das Amtsgericht eine Besichtigung der Brandstätte und Zeugenvernehmungen an Ort und Stelle vor.“