Knollenklau

„Die Kartoffeldiebstähle nehmen leider immer mehr überhand. Besonders sind es Frauen, die auf Feldern ernten, wo sie nicht gesät haben. Tragekörbeweise werden die Knollen dann nach Hause geschafft. Die städtische Schutzmannschaft hat in verschiedenen Fällen die Täter festgestellt und ihnen ernstliche Verwarnungen erteilt. Ob die betreffenden Grundstücksbesitzer von der Stellung eines Strafantrages absehen, bleibt dahingestellt. Oft sind die Geschädigten noch Leute, die sichs, ihren Verhältnissen entsprechend, erheblichen Aufwand an Geldopfern, Zeit und Mühe kosten ließen, ein Stück Land mit Kartoffeln zu bestellen und sich nun zum Teil um die Früchte ihres Fleißes und ihrer Vorsorge betrogen sehen.“

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Fahrraddiebstahl lohnt sich nicht

„Der Arbeiter Hugo Schadenberg hatte hier vor einiger Zeit ein Fahrrad gestohlen. Er wurde wegen dieses Diebstahls jetzt von der Strafkammer zu Gera zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. 1 Monat der Untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet.“

Schwindelfirmen – ein altbewährtes Geschäftsmodell

„Ein Namenswechsel. Es ist das Bestreben zweifelhafter Firmen, Namen und Sitz möglichst oft zu wechseln, um so unter neuer Flagge ihr gemeingefährliches Treiben fortsetzen zu können. So haben sich in Hamburg zwei gleichgesinnte Seelen gefunden, um eine kosmetische ‚Fabrik‘ zu begründen. Monatelang gebrauchten sie den Namen des einen Gesellschafters nebst Gesellschaftszusatz als Firma und brachten so Hunderte von minderbemittelten Personen durch die Uebertragung ihrer Versandstellen um ihre letzten Ersparnisse. Als die Firma allmählich in Mißkredit geriet, mußte der Name des anderen Inhabers als Firma herhalten. Auf diese Weise wurden wieder ungezählte Personen geschädigt. […] Ja einer ihrer Reisenden hat neuerdings ein friedliches Städtchen im Erzgebirge als den Sitz seiner Tätigkeit erkoren, um von hier aus unter der hochtönenden aber nicht eingetragenen Firma ‚Saxawerke‘ auf gleiche Weise wie seine Hamburger Chefs die Opfer zu fangen. In Wirklichkeit bestehen die ‚Werke‘ aus einem kleinen Verkaufsladen, von einer Fabrikation kann keine Rede sein. […] Zu verlieren haben diese Herren nichts. So konnte die Zentralstelle zur Bekämpfung von Schwindelfirmen in Lübeck bisher noch nicht ein gegen die Hamburger ‚Fabrikherren‘ erzieltes Urteil zur Vollstreckung bringen. An diese Zentralstelle wollen sich alle wenden, die mit den erwähnten Firmen zu tun hatten, damit es doch noch an Hand eines bedrückenden Materials gelingt, diesen Ausbeutern das Handwerk zu legen.“

Kinderhandel

„Verschiedene Behörden warnen vor Zeitungsanzeigen, in denen sich Personen anbieten, ‚Kinder diskreter Geburt‘ für einen einmaligen höheren Geldbetrag zu adoptieren und zu erziehen. Es sind in letzter Zeit mehrere Fälle bekannt geworden, in denen derartige adoptierte Kinder kurze Zeit später spurlos verschwunden oder gegen einen geringen Erziehungspreis an andere Konkurrenten abgegeben wurden.“

Mittel gegen hässliche Frauen

„Im Egertale und im Erzgebirge an der sächsisch=böhmischen Grenze treiben sich seit einiger Zeit drei gutgekleidete Männer herum, die in Handtaschen eine in kleinen Fläschchen eingeschlossene Flüssigkeit mit sich tragen und diese in allen Ortschaften als wahres Lebenselixier und als Universalmittel gegen alle Krankheiten anbieten. Bei häßlichen Frauen soll ihre Medizin sogar Jugend und Schönheit hervorzaubern. Das Trio macht glänzende Geschäfte und will auch noch andere Gegenden beglücken. Vorher hielten sich die Schwindler im Vogtlande auf, wo ihnen aber der Boden zu heiß wurde, als ein Arzt eine Untersuchung des Wunderelixiers veranlaßt hatte. Das Wundermittel ist nämlich nichts anderes als ein Gemisch von Wasser, Sirup und Wacholdergeist. Hoffentlich wird den Schwindlern bald das Handwerk gelegt werden.“

Mild bestrafte Sonntagsarbeit

„Vor der Strafkammer zu Gera stand gestern nur eine Verhandlung an. Der Stukkateur Karl Stemmler hier war in eine Polizeistrafe genommen worden, weil er an einem Sonntag gearbeitet hatte. Das Schöffengericht hier sprach St. von der Anschuldigung frei, weil er niemand mit der Arbeit belästigt habe. Die Strafkammer sprach den Stukkateur aber schuldig, weil sie der Meinung war, daß das Sonntagsruhegesetz übertreten worden ist, ob leicht oder schwer. Das Gericht erkannte aber nur auf die niedrigste Strafe und zwar auf eine Mark.“

In Neustadt Endstation

„Vergangene Nacht nahm unsere Polizei einen sich herumtreibenden 11jährigen Knaben namens Wegel aus Pößneck fest. Er hatte seiner Mutter ein Rabattsparbuch entwendet und für den dafür gelösten Betrag von 4,50 Mk. wollte er eine Reise unternehmen. Doch erreichte ihn schon hier sein Schicksal. Die Polizei in Pößneck wurde benachrichtigt und im Laufe des Vormittags dampfte das unternehmende Bürschchen wieder seiner Heimat zu. Jedenfalls wird ihm dort ein ‚warmer‘ Empfang bereitet worden sein.“