Bekanntmachung über Eier

„§1. Eier dürfen an Verbraucher nur gegen Eierkarte abgegeben und vom Verbraucher nur gegen Eierkarte erworben werden. […] Personen, die Hühner halten, gelten als Selbstversorger. Sie erhalten keine Eierkarte. Auch Haushaltungen, die einen Eiervorrat von mehr als 5 Stück haben, erhalten solange keine Eierkarten, bis die Vorräte durch Anrechnung aufgebraucht sind.
§ 2. Die Eierkarte besteht aus mehreren Abschnitten, die fortlaufende Nummern tragen. Auf jeden Abschnitt entfällt ein Ei. In welchem Zeitraum auf den einzelnen Abschnitt ein Ei entnommen werden darf, wird von mir durch Aufruf der betreffenden Nummer jeweils bekanntgegeben. In Gemeinden mit mehr als 1500 Einwohnern werden die Nummern vom Gemeindevorstand aufgerufen.  […]
§ 3. Auch in Gast- und Schankwirtschaften, Speiseanstalten, Fremdenheimen und ähnlichen Betrieben dürfen Eier in rohem oder gekochtem (zubereitetem) Zustande nur gegen Eierkarte abgegeben werden. […]
§ 10. Wer den Vorschriften dieser Bekanntmachung zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10 000 M oder mit einer dieser Strafen bestraft.
§ 11. Diese Vorschriften treten am 1. Januar 1917 in Kraft.[…]“

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Mangelware Honig

„Reiner Bienenhonig ist heuer eine sehr rare Ware und nur schwer zu bekommen, da die Ernte ganz geringfügig ist. Der hiesige Bienenzuchtverein hatte seinen Mitgliedern einen Verkaufspreis von 1,40 Mk. für das Pfund (ausschließlich Glas) empfohlen. Das war eine Steigerung um nur 20 Pfg., da das Pfund früher mit 1,20 Mk. verkauft worden war. Sehr hoch waren dagegen die Preise bei dem in Weimar gestern abgehaltenen Obst- und Honigmarkt, sie betrugen 3-3,20 Mk. für das Pfund. Zum Verkauf gestellt waren im ganzen 24 Pfund Honig.“

Keine Obstreste auf die Straße werfen!

„Bei dem Eintritt der Obstpreise wird die Beobachtung gemacht, daß Obstreste achtlos auf die Straße geworfen werden. Diese Handlungsweise kann für die Fußgänger zu Unglücksfällen führen. Der Täter, welcher diesen Unfall gegebenenfalls verursacht hat, macht sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig und kann außerdem von dem Beschädigten zivilrechtlich für den ihm entstandenen Schaden haftbar gemacht werden.“

Stadtwache wider Butterwucher

„Heute vormittag wurde an allen Stadteingängen eine strenge Ueberwachung der zum Verkauf nach hier gebrachten Butter ausgeführt. Diese hatte vor allem den Zweck, zu verhüten, daß für die von den Erzeugern ins Haus gebrachte Butter ein höherer als der festgesetzte Höchstpreis verlangt und vor allem bezahlt wird. Wie wir erfahren, will die Polizei in nächster Zeit und nicht nur an den Wochenmarktstagen ihr Augenmerk scharf auf diesen Umstand richten.“

Bezirksvorsteher als Butterverkäufer

„Beim heutigen städtischen Butterverkauf war der Geschäftsbetrieb wieder ein recht reger. Zwei Gemeinderatsmitglieder hatten ihre Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache gestellt, indem sie fleißig die Butter pfundweise abwogen, während ein Bezirksvorsteher sich dem Verkaufsgeschäft widmete. Das Pfund wurde mit 2,20 Mk. verkauft. Die Güte der Butter wird allseitig gelobt. Die meisten Hausfrauen sind froh, auf diese Weise wenigstens in den Besitz dieses unentbehrlichen Nahrungsmittels gelangen zu können, das auf den hiesigen Wochenmärkten sehr rar ist.“