Häßlich-Haltestelle

„Neunhofen. Die schon seit langem erstrebte Errichtung einer ‚Haltestelle Neunhofen‘ geht nun ihrer Verwirklichung entgegen. Gleichzeitig mit der Legung des zweiten Gleises wird, wie bestimmt verlautet, ihr Bau ausgeführt werden. Die Haltestelle ‚Neunhofen‘, die im Flurort ‚Häßlich‘ geplant ist, wird von allen Seiten leicht zu erreichen sein. Die Wünsche der Harrasmühle und der dem Mühlengrund benachbarten Orte und Güter, die Haltestelle im Mühlengrunde zu errichten, konnte wegen der Enge des Tals und der schlechten An- und Abfuhr-Verhältnisse nicht berücksichtigt werden. Das neu zu legende 2. Gleis wird, die Richtung nach Saalfeld angenommen, links zu liegen kommen. Das jetzige Gleis wird zurzeit im Tunnel etwas nach rechts gerückt. Im Tunnel selbst brauchen keine Veränderungen vorgenommen zu werden, da er schon für zweigleisigen Betrieb vorgesehen war.“

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Polonäse im dunkeln

„Daß das elektrische Licht auch seine Tücken hat, ist bekannt. Einen losen Streich spielte es am Donnerstag dem Landwirtschaftlichen Verein im benachbarten Neunhofen, der sein Stiftungsfest im dortigen Gasthofe abhielt. Der Ort ist schon seit einiger Zeit an die Stromleitung des Elektrizitätswerkes Auma angeschlossen und auch die Gastwirtschaft hat elektrische Beleuchtung eingeführt. Man begann gerade mit der Polonäse, als auf einmal völlige Dunkelheit eintrat. Ein Festteilnehmer nahm die Sache von der humoristischen Seite auf, er erschien unter allgemeiner Heiterkeit mit zwei brennenden Stearinkerzen im Saal. Eiligst wollte man die schnöderweise in die Rumpelkammer verbannten Petroleumlampen hervorsuchen, doch auch das schlug fehl, weil diese nicht mehr gebrauchsfähig waren. Nachdem man sich eine halbe Stunde lang mit dem von zwei Kerzen und einer Taschenlaterne gespendeten Licht hatte begnügen müssen, konnte die Ursache der Störung, das Durchbrennen einer Sicherung von der Hauptleitung aus, beseitigt werden und nun konnte der Ball beim Glanze der elektrischen Glühbirnen fortgesetzt werden.“

Unwetter in Neustadt und Umgebung

„Ein Unwetter von elementarster Gewalt brauste gestern abend etwa ½ 12 Uhr über unsre Stadt und Umgegend dahin. Schon gegen 11 Uhr meldete es sich durch ununterbrochenes Blitzen an; der westliche Horizont wurde fortgesetzt von zuckenden Blitzen zerrissen und glich einem einzigen Feuermeer. Plötzlich setzte ein Wirbelsturm ein, wie ihn die ältesten Leute kaum erlebt haben dürften. Wie die Streichhölzer zerknickte er Bäume von respektablen Umfang oder entwurzelte sie, riß Aeste herunter, zerstörte die Telephon- und Telegraphenanlagen und warf Dachziegel und Mauersteine von den Dächern und Essenköpfen herab. Empfindlichen Schaden richtete er auf den Feldern an, hauptsächlich aber haben die Obstbäume gelitten, die zu hunderten zerknickt auf den Wegen und in den Gärten liegen. Auf dem Vogelschießen warf der Wind eine Schaubude um; vielen der vom „Bauerntag“ heimkehrenden Landbewohnern entführte er die Hüte oder formte deren Schirme zu „Tulpen“. Heute morgen sah man noch in einer Gasse in der Ostvorstadt sogar einen – Damenhut einsam sein Dasein vertrauern, beschmutzt und eingeweicht. Glücklich der, der auf dem Wege nach den heimischen Penaten noch vor Ausbruch des Wetters ein schützendes Dach erreichte. In Molbitz richtete der Sturm an einem in der Errichtung begriffenen Neubau großen Schaden an, er zerstörte die Balkenlager und drückte zwei frischgemauerte Wände heraus. In der Triptisser Gegend soll das Unwetter noch ärger gehaust haben; auf der Straße von Miesitz nach Triptis verschonte es fast keinen Baum. In der Stadt wurden Fensterscheiben durch die Gewalt des Sturmes eingedrückt, und Dachziegel prasselten von den Dächern nur so hernieder. Der Schaden hier und in der Umgegend ist demnach ein beträchtlicher zu nennen.“

„Neunhofen, 23. Juli.

Wie in vielen andern Ortschaften, so hat auch hier der Sturm in der vergangenen Nacht an den Dächern, an den Bäumen und in den Gärten großen Schaden angerrichtet. Besonders leid tut uns die schöngewachsene Linde, die den Schulberg zierte und die jetzt nun auch vom Sturm entwurzelt am Boden liegt. Der stattliche, wohl 20 m hohe Baum blickte schon einige Hundert Jahre als stummer Zeuge herab von seiner Höhe auf das Leben und Treiben im Dorfe. Wieviel könnte uns ein solcher Baum erzählen, wenn er reden könnte? Wie oft hat dieses Naturdenkmal schon den Stürmen getrotzt und seinen Stand behauptet? Wie oft haben seine belaubten Zweige bei turnerischen Übungen und heiterem Spiel der frohen Schuljugend wohltuenden Schatten gespendet? Ein solcher Baum hat sich eine Stellung in unserm Herzen erobert und mit schmerzlichem Gefühl wird wohl jeder, der ihn kannte, nach der leeren Stelle schauen, an der früher jener schöne Baum sein Auge erfreute.“