Superintendent a. D. Wilhelm Frenkel verstorben

„Aus Arnstadt, wohin er sich nach seiner Versetzung in den Ruhestand zurückgezogen hatte, kommt die Trauernachricht vom Hinscheiden des Hrn. Superintendent a. D. Wilhelm Frenkel. Mit ihm ist der „Dichter des Orlagaues“ dahingegangen. Diesen ehrenvollen Beinamen hatte er sich durch seine zahlreichen, bei aller Anmut frisch und lebendig geschriebenen Erzählungen erworben. Bei den meisten von ihnen ist der Schauplatz, auf dem sie sich abspielen, unsere engere Heimat. Wir erinnern nur an „Gott grüße das Handwerk“, „Wendelin“, „Wulf, der Harrasmüller“, „Der Salzgraf“ usw. Mit einer reichen dichterischen Phantasie und glänzender Ausdrucksweise begabt, schuf er aus geschichtlichen oder sagenhaften Ueberlieferungen unsrer Heimat feinsinnige, spannende Erzählungen, deren handelnde Personen das Gepräge echter kerniger thüringischer Eigenart trugen. Mit den Kindern seiner Muse hat er sich ein bleibendes Denkmal geschaffen. Auch als ein sehr hervorragender und beliebter Kanzelredner genoß er in ganz Thüringen einen guten Ruf. […]. Wilhelm Frenkel war geboren am 14. Mai 1844 als Sohn des damaligen Pfarrers in Kolba. […]. Wie sein Vater widmete er sich dem Studium der Theologie. Nachdem er Pfarrer in Weira gewesen war, […] siedelte [er] nach Gera als Archidiakonus über. Später berief ihn die weimarische Regierung als Superintendent nach Dermbach; von da kam er in gleicher Eigenschaft nach Dornburg und von da aus wurde er auf seinen Wunsch mit der Pfarrstelle Neunhofen betraut. Hier trat er dann in den Ruhestand und verzog nach Arnstadt, um der Familie seiner dort verheirateten Tochter näher zu sein. […]. Friede seiner Asche!

Wilhelm Frenkel Abb. aus einem Werbeprospekt aus Richard Hertels Buchhandlung, das Frenkels Erzählungen enthält (Pfarrchronik Neunhofens)
Abb. in einem Werbeprospekt aus Richard Hertels Buchhandlung, das Frenkels Erzählungen enthält (Pfarrchronik Neunhofen

Der Besuch der Frau Großherzogin

„Die Nachricht, daß die Frau Großherzogin Feodora unserer Stadt gestern Nachmittags einen Besuch abstatten würde, um die Jugendwehr und das im Dr. Weiser’schen Sanatorium untergebrachte Kriegsgenesungsheim zu besichtigen, hatte eine sehr zahlreiche Zuschauermenge angelockt. Schon lange vor der gesetzten Zeit strömten […] die Menschen herbei. Kurz vor 4 Uhr kündigte Glockengeläute vom Stadtturm an, dass der Großherzogliche Kraftwagen […] in Sicht war, unmittelbar darauf fuhr er in Neustadt ein, auf der Ostseite des Marktplatzes hielt der Wagen an, welchem […] die Großherzogin, S. Exzellenz Kammerherr von Eichel und Frl. von Friesen entstiegen. Auf dem Marktplatz hatte die Jugendwehr und der Krieger- und Militärverein von Neustadt Aufstellung genommen, am Kriegerdenkmal hatten sich die Spitzen der staatlichen Behörden des Bezirks, die Gemeindebeamten und der Gemeinderat von Neustadt, sowie die Mitglieder des Bezirksvorstandes vom Roten Kreutz versammelt. In Begleitung des Hrn. Geh. Regierungsrat Stichling schritt die hohe Frau die Aufstellung der Jugendwehr ab, worauf die Vorstellung der am Denkmal versammelten Herren erfolgte. Verschiedene von ihnen wurden von Ihrer Hoheit durch Ansprache ausgezeichnet. Auch mit den Führern der Jugendwehr und den Veteranen von 1870/71 unterhielt sich die Landesfürstin […]. Der Leiter der militärischen Vorbereitung der Jugend, Herr Rechnungsamtmann Pfeiffer hielt darauf eine Ansprache, die mit einem Hoch auf das Herzogspaar schloß […]. Nunmehr ordnete sich die über 300 Mann starke Jugendwehr zum Parademarsch, der unter den Klängen der Stadtkapelle und des eigenen Trommler- und Pfeiferkorps schneidig ausgeführt wurde […]. Darauf fuhr Ihre Kgl. Hoheit nach dem Kriegsgenesungsheim. Hier wurde sie von Frl. Weiser mit einer […] Ansprache unter Überreichung von Blumen begrüßt […]. Die gesamten Räume des Sanatoriums und die der Heilzwecken dienenden Apparate wurden in eingehender Weise besichtigt. Mit jedem der Krieger unterhielt sich die Großherzogin […] und erkundigte sich eingehend bei jedem Einzelnen bei welchem Treffen er verwundet worden sei, nach der Art der Verwundung und dem jetzigen Befinden. Alle wurden von ihr durch Geschenke erfreut. Über Einrichtung und Betrieb des Genesungsheims […] sprach sich die Hohe Frau höchst lobend und anerkennend aus. Zu bedauern sei nur, dass die vorhandenen Räume so wenig belegt seien. Dann begab sich Ihre Kgl. Hoheit nach den von Frau Sanitätsrat Dr. Weiser bewohnten Räumen. Hier wurde der Tee eingenommen […] Kurz vor 6 Uhr trat die Großherzogin nebst Gefolge die Rückfahrt nach Weimar an. Für die Jugendwehr und ihre Führerschaft fand abends von 6 Uhr ab noch ein geselliges Beisammensein im Hotel Böttcher statt, zu welchen sich die Vertreter der Staats- und Städtischen Behörden, die im Genesungsheim weilenden Krieger, sowie eine ganze Anzahl sonstiger geladener Gäste eingefunden hatte. […]“

Bürgermeister Wimmler gestorben

„Heute vormittag durcheilte die Trauerkunde unsere Stadt, daß Hr. Bürgermeister Wimmler heute [1. Februar] früh 8 Uhr plötzlich verschieden sei. […] Nach einer ruhig und gut verbrachten Nacht wurde er heute früh durch einen sanften Tod im 65. Lebensjahre in die Ewigkeit abgerufen. Damit hat der Tod den Schlußstrich unter ein an Arbeit und Erfolgen reiches Leben gezogen. Aus eigner Kraft hat sich Hr. Wimmler vorwärts gebracht und sich zum ersten Beamten seiner Vaterstadt emporgearbeitet. […] In noch jungen Jahren, als Dreiundzwanzigjähriger, trat er bei der Stadt als Schriftführer ein. Hier bewährte er sich so, daß ihn die Bürgerschaft 1882, als die hiesige Bürgermeisterstelle durch den unerwarteten freiwilligen Rücktritt des Majors z. D. Laube zur Erledigung kam, zum Bürgermeister wählte. Als erst Zweiunddreißiger stand er nunmehr an erster Stelle der städtischen Verwaltung, wo er seine ganze große Arbeitskraft entfalten konnte. Er hat das Vertrauen, daß die Bürgerschaft bei seiner Wahl in ihn setzte, glänzend gerechtfertigt. Nahezu 42 Jahre, davon über 32 Jahre als Bürgermeister, hat er segensreich im Interesse der Stadt gewirkt. Strengste Pflichterfüllung, praktische Erfahrung und ein scharfer Blick für alles, was zum Besten der Stadt diente, zeichneten ihn aus. […] In Anerkennung seiner hervorragenden Tätigkeit hatte bekanntlich der Gemeinderat beschlossen, ihm zu Ehren einer neuen Straße im Westen den Namen ‚Wimmlerstraße‘ zu geben. Mit der Entwicklung der Stadt ist der Name Wimmler für alle Zeit aufs engste verknüpft und so werden auch spätere Geschlechter seiner stets in Dankbarkeit gedenken und ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Er ruhe in Frieden!“

1915-02-02
Das Gemäde von Bürgermeister Wimmler schuf 1912 der Kunstmaler Albin Günther. Gestiftet hatten es die Fabrikbesitzer Franklin und Alfred Seelemann für den Rathaussaal. Heute ist es im Museum für Stadtgeschichte zu sehen.

Ausgezeichneter Diakonus

„Der Großherzogliche Kirchenrat hat Hrn. Diakonus Herrmann hier für seine Arbeit ‚Die Bedeutung des Herzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar (1683 – 1728) für die Weimarische evangelische Kirche‘ den Staatspreis des Jahres 1913 zuerkannt.“

Rudolf Herrmann (geb. 1875 in Ruppersdorf, gest. 1952 in Weimar) war von 1906 bis 1925 Pfarrer in Neustadt an der Orla. Während dieser Zeit erwarb er sich neben seiner geistlichen Tätigkeit große Verdienste auf dem Gebiet der Heimatgeschichtsforschung und durch Erarbeitung regionalgeschichtlicher Publikationen. Rudolf Herrmann war zeitweise Vorsitzender des „Vereins für Geschichte und Heimatpflege“ und war maßgeblich für die Eröffnung des ersten Museums (1913) verantwortlich.
Herrmann war Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte. 1930 bekam er von der Universität Jena die theologische Ehrendoktorwürde verliehen und wurde 1933 Mitglied der Thüringischen Historischen Kommission. Ab diesem Jahr ließ er sich in Weimar nieder und erarbeitete zwischen 1934 und 1947 seine zweibändige „Thüringische Kirchengeschichte“ (erschienen 1937 und 1947). Nach dem II. Weltkrieg wirkte Herrmann als Kirchenhistoriker und Archivar der Thüringischen Landeskirche in Weimar und von 1946 bis 1950 als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. In seiner Funktion als Stadtverordnetenvorsteher begrüßte Rudolf Herrmann 1949 den Schriftsteller Thomas Mann bei einem Besuch in Weimar.

Hugo Kogel wird Gerichtsschreiber

„Die vom 1. Juli 1914 ab bei dem hiesigen Amtsgericht neu errichtete Gerichtsschreiberstelle ist dem Kostenbuchführer Herrn Amtsgericht-Registrator Hugo Kogel hier unter gleichzeitiger Verleihung der Dienstbezeichnung ‚Aktuar‘ übertragen worden.“

Hugo Kogel wurde 1878 in Buttstädt geboren und war lange Zeit als Justizamtmann in Neustadt an der Orla tätig, wo er 1950 starb. Zu seinen großen Verdiensten zählt die Zusammenstellung der Hausbesitzer in Neustadt und Umgebung, die in der Kreisboten-Beilage „Unsere Heimat“ von 1934-1939 veröffentlicht wurden.

Ergraut zum Wohle der Stadt

„Auf eine an Erfolgen reiche 40jährige Wirksamkeit als Beamter seiner Vaterstadt kann morgen unser verehrter Hr. Bürgermeister Wimmler mit Stolz und Freude zurückschauen. […] Am 23. August 1873, zu einer Zeit, als Handel und Wandel in unserm lieben deutschen Vaterlande nach den ruhmreichen Kämpfen von 1870/71 gegen Frankreich einen hohen Aufschwung nahm, trat Hr. Wimmler in verhältnismäßig jungen Jahren sein Amt als städtischer Schriftführer an. Seine schnelle, richtige Auffassung, sein offener Sinn für alles dem Wohle der Stadt Frommende blieben im Kreise der Bürgerschaft nicht unbemerkt. Als im Jahre 1882 nach kaum zweijähriger Tätigkeit der damalige Bürgermeister Major z. D. Laube unerwartet aus dem Amte schied, da bewarb sich Hr. Wimmler auf Drängen seiner Freunde um das erledigte Amt. Er wurde mit überwältigender Mehrheit am 5. Dezember 1882 gewählt und vom damaligen Hrn. Bezirksdirektor Born am 28. Dezember 1882 feierlich als Bürgermeister eingeführt. […] Von den zahlreichen Verbesserungen, die die Stadt im Laufe der Amtszeit des Hrn. Wimmler erfuhr und die für einen gesunden Fortschritt zeugen, wollen wir nun erwähnen, die Versorgung der Einwohnerschaft mit Gas, den Bau der Wasserleitung, um deren Ergiebigkeit uns so manche größere Stadt beneiden kann, die Kanalisierung und Pflasterung der Straßen, sowie den Rathausumbau. So manche dieser Neueinrichtungen möchten wir heute nicht vermissen, obgleich sie seinerzeit nicht ohne Kampf durchgeführt werden konnten. […] Mit unsern besten Glückwünschen zum Jubiläum verbinden wir noch die Wünsche, daß sich die Hoffnungen, die der Jubilar in seinen Aufenthalt in Karlsbad für seine Gesundheit setzt, erfüllen und daß er noch lange Jahre zum Wohle der Stadt, in deren Diensten er in Ehren alt und grau geworden ist, wirken möge!“

1913-08-23
Das Gemälde wurde 1912 vom Kunstmaler Albin Günther angefertigt. Damals von den Fabrikbesitzern Franklin und Alfred Seelemann für den Rathaussaal gestiftet, hängt es heute im Museum für Stadtgeschichte (Kirchplatz 7).

Prominentes Heiratsversprechen

„Der Regierungsreferendar Waldemar v. Mohl, Sohn des Legationsrates und zweiten deutschen Delegierten zur ägyptischen Staatsschuldenkommission Ottomar v. Mohl in Arnshaugk, hat sich mit Frl. Agnes v. Pfuel, der jüngsten Schwester der Gemahlin des Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg, verlobt. Wie die „B. Z. am Mittag“ meldet, steht der Bräutigam im 28., die Braut im 29. Lebensjahre.“