Kundenfreundlicher Paketservice

„In den Orten, in denen Paketbestellfahrten mit Pferdekraft bestehen, dürfen den Paketbestellern gewöhnliche Pakete zur Ablieferung an die Postanstalt übergeben werden. Es ist auch gestattet, bei der Postanstalt die Abholung von Paketen aus der Wohnung schriftlich zu bestellen. Für derartige Bestellschreiben oder Bestellarten kommt eine Gebühr nicht zur Erhebung; sie können in die Briefkästen gelegt oder den bestellenden Boten mitgegeben werden. Für eingesammelte Pakete wird außer dem Porto eine im Voraus zu entrichtende Nebengebühr von 10 Pfg. erhoben. Der Paketbesteller führt ein Annahmebuch mit sich, in das er die angenommenen Pakete einzutragen hat. Der Einlieferer ist berechtigt, sich das Annahmebuch vorzeigen zu lassen, um sich von der Eintragung zu überzeugen; er kann die Eintragung auch selbst bewirken.“

Werbeanzeigen

Das letzte Mal mit 2 PS

„Die Abfahrt der letzten Personenpost nach Schleiz hatte gestern einen großen Teil unserer Bewohnerschaft, Alt und Jung, auf die Beine gebracht. Es war aber auch alles getan worden, um die seit Jahrhunderten bestehende Postkutscheneinrichtung noch einmal in ihrer ganzen Pracht vor Augen zu führen. Vor der Abfahrt nach Schleiz wurde noch eine Umfahrt durch die Straßen der Stadt veranstaltet. Auf dem Kutschersitz des Wagens hatte der einer alten hiesigen Postillionfamilie entstammende Herr Richard Schau, angetan mit der Galakleidung und bekränzter Kopfbedeckung nebst einem Kollegen Platz genommen. Voraus ritten zwei Postillione ebenfalls in Gala mit weißen Beinkleidern und roter Schärpe und vor ihnen der Fernsprech-Leitungsaufseher des hiesigen Postamtes auf seinem bekränzten Fahrrade. Der blasenskundige und –freudige „Schwager“ Schau, der durch sein heiteres und biederes Wesen bestens bekannt ist, entlockte seinem Posthorn muntere Weisen. Dann hielt die Postkutsche zum letzten Male vor dem Postamt. Als die Abfahrtszeit herannahte, blies Herr Schau nochmals die bekannte Melodie „Mädel von Huzelbach“, aus dem Posthofe ertönte als Antwort die gleiche Melodie. Dann kamen die Vorreiter aus dem Posthofe, setzten sich an die Spitze und zum letzten Male gings unter des Posthorns Klang gen Schleiz. 5 Fahrgäste hatte der Wagen diesmal aufgenommen. Mit stiller Wehmut im Herzen sahen die Zurückbleibenden die Postkutsche scheiden. […] Gegen 6 Uhr abends bekam unsere Stadt auch das neue Verkehrsmittel erstmalig zu sehen. Der Kraftwagen kam mit Insassen von Schleiz, hielt vor Böttchers Hotel und fuhr dann nach der Sachsenburg, worauf er nach der Stadt zurückkam und im Posthofe Einkehr hielt. Es ist ein stattliches, modern eingerichtetes Gefährt, das mit seiner gelben Farbe einen recht vorteilhaften Eindruck macht. […] Im Inneren können 12 Personen Platz nehmen, vorausgesetzt, daß sie nicht eine außergewöhnliche Körperfülle aufweisen. Der Motor des Fahrzeuges entwickelt 40 Pferdestärken. In der Stunde können mit Leichtigkeit 30-40 Kilometer zurückgelegt werden […]. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo er seine mehrmalige tägliche Einkehr bei uns hält.“

postkutsche
Die letzte Postkutsche mit dem Geschirrführer Richard Büchler, genannt Schau, vor dem Gebäude des Vorschuss-Vereins Bismarckstraße 16, heute Ernst-Thälmann-Straße (Repro Helmut Näder, Stadtarchiv)

Einführung von Postschließfächern

„Beim hiesigen Postamt ist die Einführung von verschließbaren Abholungsfächern, sog. Schließfächern, geplant. Wegen der Größe des zu bestellenden Schrankes wäre dem Postamte die Anmeldung derjenigen Firmen, die ein solches Schließfach benutzen wollen, erwünscht. Ueber die Bedingungen gibt die Postanstalt nähere Auskunft. Die Abholungsfächer können in der Zeit von früh 7 bis abens 8½ Uhr durch die Inhaber oder deren Beauftragte mittelst Schlüssels geöffnet und ihr Inhalt herausgenommen werden. Es ist das insofern von bedeutendem Vorteil, als die Abholung der Postsachen auch dann stattfinden kann, wenn die Schalter des Postamts geschlossen sind. So werden beispielsweise die Sendungen, welche mit dem 7.44 Uhr abend eintreffenden Zuge ankommen, noch in die Schließfächer eingeordnet und können bis abends 8½ Uhr von den Empfängern abgeholt werden.“