Erneute Kriegsweihnachten

„Und wieder ein Kriegsweihnachten. Als wir im vergangenen Jahre am Schluß unserer Weihnachtsbetrachtung den Wunsch aussprachen, daß es im kommenden Jahre allen beschieden sein möge, das Weihnachtsfest nach einem ehrenvollen Frieden um so schöner daheim feiern zu können, da glaubte wohl niemand, daß dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen würde. Aber im Rate der Versehung war es anders bestimmt. Noch starrt die Welt in Waffen, noch wütet die Kriegsfurie und noch ist leider ein Ende nicht abzusehen, trotz aller Tapferkeit unsrer Feldgrauen. […]
So mancher Familienvater, der im Vorjahre das Weihnachtsfest daheim glücklich im Kreise seiner Lieben begehen konnte, hat inzwischen sein Gewand mit dem Rocke des Kaisers vertauscht und steht jetzt mit draußen auf des Vaterlandes Wacht, schmerzlich vermißt von seinen trauten Angehörigen. […]
Wir können in der Heimat, wenn auch nicht in alter geräuschvoller Weise, dafür aber um so inniger das Fest der Liebe begehen. Und besonders den Kindern soll die Freude nicht gekürzt werden, damit sie das Schenken an schöne Weihnachten aus ihrer Jugendzeit in die Zukunft mit hinüberretten. Allenthalben hat da edle Nächstenliebe gesorgt, daß auch den Kindern der Minderbemittelten ein Christbaum erglänzt unter dem Geschenke liegen. So haben wieder Bescherungen in der Kleinkinderbewahranstalt, in der Rintschstiftung und von der Stadt aus im Eiskeller stattgefunden. Unsere tapfern Krieger hat man selbstverständlich gleichfalls nicht vergessen, für die 75 Verwundeten im hiesigen Vereinslazarett hat in Böttchers Gasthaus eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier und Bescherung stattgefunden. Die geplanten Festlichkeiten sind der ernsten Zeit angepaßt.“

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Zehn Regeln für die Weihnachtseinkäufe

„Zu Nutz und Frommen für Käufer und Verkäufer geben wir hier die Regeln für den Weihnachtseinkauf wieder, die der ‚Deutsche Käuferbund‘ aufgestellt hat:

  1. Besinne dich frühzeitig auf deine Weihnachtsgeschenke und verschiebe deren Einkauf nicht bis auf die letzten Tage vor dem Fest.
  2. Kaufe, wenn du anders kannst, nie am Sonntag, auch nicht vor Weihnachten, denn auch die Kaufleute brauchen Ruhe und Erholung.
  3. Sprich freundlich mit Verkäufer und Verkäuferinnen, mißbrauche nicht ihre Zeit und Geduld bei Auswahl der Waren usw.
  4. Kaufe nicht am späten Abend; du machst am Tage bessere Einkäufe und verkürzest nicht den Feierabend von Kaufleuten, Angestellten, Boten.
  5. Gekaufte Waren tausche selten um und nie am Abend bei Geschäftsandrang, sondern in den ruhigen Morgenstunden.
  6. Nimm die Pakete, wenn du irgend kannst, selbst mit; mußt du deine Waren ins Haus bringen lassen, dann schreibe deine Adresse genau auf und gedulde dich, wenn die Waren nicht ‚sofort‘ zu dir kommen.
  7. Machst du Geschenke nach auswärts, dann bringe sie zeitig vor dem Fest zur Post, und auch nicht am späten Abend.
  8. Empfangene Ware bezahle sofort.
  9. Zahle angemessene Preise, damit du durch die Sucht, billig einzukaufen, nicht das Einkommen derer schädigst, die von ihrer Hände Arbeit leben müssen, denn der Kaufmann und Fabrikant wird dir nichts schenken, sondern wird an den Löhnen seiner Arbeiter sparen.
  10. Willst du dich vor dem Weihnachtsfieber der Hetzerei und des schlechten Gewissens bewahren, so befolge diese Ratschläge und gib sie weiter an andere.“

Weihnachtsspenden

„Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes hat infolge der von ihm seit 1894 veranstalteten Sammlung von Weihnachtsspenden für die Witwen und Töchter gestorbener Veteranen von 1813/1815 in letzter Zeit mehrfach Zuschriften erhalten, nach denen bezweifelt wird, daß noch Witwen und Töchter von Freiheitskämpfern am Leben sein können. Tatsächlich leben aber zur Zeit noch 17 Witwen und 662 ledige Töchter von Veteranen von 1813/15 im Alter von 70 bis 101 Jahren, sämtlich in größter Bedürftigkeit. Alter, Hilfsbedürftigkeit und die Eigenschaft als Witwen oder Töchter von Freiheitskämpfern sind in jedem einzelnen Falle amtlich festgestellt worden.“

Unterstützung der ortsansässigen Geschäftsleute

„Nur wenige Tage noch trennen uns vom Weihnachtsfeste. Es sind die Tage, in denen die letzten, wohl aber auch die meisten Weihnachtseinkäufe erledigt werden. Da ist für eine Stadt von der Größe Neustadts besonders am Platze die Bitte und Mahnung „Kaufet im Orte!“ Wer sie beherzigt, unterstützt damit den ortsansässigen, tüchtigen und soliden Geschäftsmann. […] Dagegen ist so ziemlich alles, was viele zum Auswärts-Kaufen lockt, wie hohe Rabatte, Geschenke, Zugaben u. dergl., bloßer Scheingewinn. Der Käufer muß sie im Preis der Waren tatsächlich mit bezahlen – ganz abgesehen von den Versand- und Reisekosten, die auch meist auf seine Rechnung kommen werden.“

325. Weihnachtsmarkt

„Der heutige Weihnachtsmarkt war von Verkäufern und Käufern gut besucht. Schon von vormittags ab herrschte ein reger Geschäftsverkehr. Auf dem Viehmarkte waren 15 Stück Rindvieh, 220 Saug- und40 Läuferschweine zum Verkauf gestellt. Gezahlt wurden für das Paar Saugschweine 30-50 Mk., für einen Läufer je nach Größe 40-60 Mk. […] Von Interesse ist, daß der Weihnachtsmarkt heute ein Jubiläum feiern kann: das Fest seines 325jährigen Bestehens. Wie aus der von Hrn. Diakonus Herrmann herausgegebenen Chronik ersichtlich ist, wurde 1587 vom Kurfürsten Christian von Sachsen den Neustädtern die Erlaubniß zur Abhaltung eines Jahrmarktes am 1. Advents-Sonntage erteilt. Später ist eine Aenderung wohl insofern eingetreten, als der Markt nicht am Sonntage, sondern am Mittwoch nach dem 1. Advent abgehalten wurde.“