Eigensinniger Geselle Februar

„Der Februar hat uns heute früh beim Erwachen mit einer Schneelandschaft überrascht. Es ist doch ein eigensinniger Geselle, der auf sein Recht pocht, sich Rückfälle zu winterlicher Temperatur und was damit in Zusammenhang steht, erlauben zu dürfen. Des Februars Neigung, sich außergewöhnlich grimme Späßchen zu leisten, ist schon von alters her bekannt, denn eine alte Bauernregel läßt ihm zum Januar sagen: ‚Hätt ich die Macht wie du, erfrör das Kalb in der Kuh.‘ So schlimm wird’s diesmal nicht werden, denn wenn die jetzt herrschende Westluft weiter anhält, so wird die Winterherrlichkeit bald wieder ein Ende nehmen und einem schmutzigen Matschwetter weichen müssen.“

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Tückemonat

„Der Februar zeigt sich dies Jahr als ein recht tückischer Geselle. In seiner ersten Hälfte brachte er wahre Frühlingswitterung und verwöhnte die Menschen, um dann mit einem Male sein wahres Gesicht zu zeigen. Die vergangene Nach war ziemlich kalt und der Frost hatte allenthalben die Fenster mit kunstvollen Eisblumen geschmückt. Heute ist der Himmel klar, aber die Sonne kann mit ihrer Macht gegen den schneidenden Ostwind nicht recht aufkommen. Aber solche Rückfälle ist man vom Februar gewohnt. Läßt doch schon eine alte Bauernregel den Februar zum Januar sagen: Hätt‘ ich die Macht wie du, erfrör das Kalb in der Kuh. Doch trösten wir uns, denn rasch geht es nun aufwärts, der Winter büßt täglich von seiner Macht ein, in reichlich 4 Wochen haben wir bereits Frühlings Anfang.“

Frühling erfordert Abhärtung

„Die Sonne lockt die Menschen aus dumpfigen Stuben, aus engen Mauern ins Freie. Ihre Herrschaft ist aber noch nicht unbestritten, gar oft sucht noch der Frost das Land heim, und eisige Regenschauer bedrohen das Dasein der emporsprießenden Pflanzen. Diese Witterungsumschläge sind für Menschen und Pflanzen in gleichem Maße schädlich. Der Mensch ist durch die lange winterliche Stubenhaft weniger widerstandsfähig geworden gegen die Unbilden des Wetters. Die warmen Winterkleider haben seinen Körper verweichlicht, er ist nicht mehr an den unmittelbaren Verkehr mit der Luft gewöhnt. Darum erfordert der Frühling besondere hygienische Vorsichtsmaßregeln. Man darf sich nicht sofort im ersten Frohgefühl der Wonnen eines sonnigen Frühlingstages ohne weiteres hingeben. Pelze und Wollsachen dürfen nicht gleich kurzerhand in die Ecke geworfen werden. Allmählich nur darf der Übergang von der warmen Winterkleidung zur leichten Frühjahrs-, zur luftigen Sommerkleidung erfolgen. Nach und nach wird sich dann die Haut an die Luft gewöhnen. Abreibungen und Duschen können diesen Abhärtungsprozeß wirksam unterstützen. Der Mensch, der im Winter zur Treibhauspflanze geworden ist, muß erst die belebende Wirkung frischer Luft wieder kennen lernen. […]“

Früher gab es noch Winter

„Die Tage vor Weihnachten bringen die Erinnerung an den mächtigen Schneefall im Dezember 1886. Am 17. Dezember setzte ein scheinbar harmloses Schneewetter ein, das aber von Stunde zu Stunde immer ernsthafter und ergiebiger wurde und bis zum 23. Dezember ununterbrochen anhielt. Der Eisenbahnverkehr war auf vielen Strecken unterbrochen, manche Orte waren tagelang von allem Verkehr abgeschnitten. Eine große Anzahl Züge waren eingeschneit und zu langem unfreiwilligen Aufenthalt auf freier Strecke gezwungen. Der Schnee überragte stellenweise die Chausseebäume von drei Meter Höhe, so daß die obersten Triebe fast durchweg von den Hasen abgenagt wurden. Es war mit kurzen Worten ein Winter, wie wir ihn heute nur noch aus der Erinnerung kennen.“

Mit geschlossenem Mund und trockenen Fußes durch den Herbst

„Die Tage werden kürzer, die Temperatur sinkt, und frostige Winde durchfegen die Straßen. Husten und Heiserkeit sind an der Tagesordnung, denn der Körper, der noch nicht widerstandsfähig genug ist gegen die herbstlichen Unbilden, unterliegt jedem Angriffe der Witterung. Meist behandelt man in diesen Tagen den Körper höchst unzweckmäßig. Mit warmen Einpackungen ist es nicht getan: für Winterkleidung ist noch keine Zeit. Wir sind in einer Übergangszeit und müssen dem Rechnung tragen. Wer sich gar zu ängstlich jetzt schon in warme Wintersachen hüllt, muß sich notwendig einmal allzusehr erhitzen. Befreit er sich dann plötzlich von den wärmenden Hüllen, so ist die Erkältung mit dem Schnupfen und sonstigem Beiwerk da. Der Schutz des Körpers gegen die Außenwelt darf nicht übertrieben werden. Auch wird durch die übermäßige Warmhaltung die Haut verweichlicht und widerstandslos. Schließlich genügt dann ein geringer Temperaturwechsel, um eine Erkältung herbeizuführen. In kühler Nachtluft sollte man zur Herbstzeit vor allem den Hals und die Atmungsorgane schützen. Man halte darum in diesen Stunden den Mund möglichst geschlossen. Nasse Füße sind stets bedenklich. Wenn man sie sich zugezogen hat, wechsle man sofort das Schuhwerk. Eine Tasse heißer Tee tut dann auch gute Dienste.“

Dreitzscher Wasser gegen tropische Hitze

„Die andauernde Hitze der letzten Zeit, die am Sonnabend und Sonntag einen tropischen Charakter annahm, hat in vielen Städten und Landorten durch die Abnahme des Wasserzuflusses aus den Quellgebieten einen empfindlichen Wassermangel im Gefolge. Von überall her kommen Klagen über die Wasserkalamität. Die Gemeindevorsteher der betroffenen Orte mahnen wiederholt zum sparsamen Verbrauch des Leitungswassers. Das Gießen der Gärten mit solchem ist überhaupt verboten. Unsere Stadt wäre jetzt vielleicht auch gezwungen, zu derartigen Zwangsmaßnahmen zu greifen, wenn sie nicht die reichlich spendende Dreitzscher Quelle sich gesichert und an das Stadtrohrnetz angeschlossen hätte. Dadurch sind wir in der glücklichen Lage, von dem herrschenden Wassermangel nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Es zeigt sich gerade jetzt am besten, wie segensreich die Dreitzscher Anlage für die Stadt wirkt.“